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CD-Tipps zum Jahresende

Die „Stimme Lateinamerikas“ verstarb im Oktober. Mercedes Sosa, „La Negra Sosa“, die in ausdrucksvollen Balladen gesellschaftliche Mißstände anprangerte. Eine besondere Persönlichkeit, eine große Stimme. The Best of Mercedes Sosa
PolyGram 53 62 34-2

Von Sting zu Weihnachten verpackt: If On A Winters Night, traditionelle Songs von der Insel quer durch drei Jahrhunderte, hübsch für nebenbei.
DG 060 25 270 1743


Savina Yannatou: Primavera en Salonico, Musiker aus Armenien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Albanien. Sie kommen von der Klassik oder dem Jazz. Unter ihren Händen entsteht aus alten Instrumenten neue Musik. ,Mehrwert‘ nennt man das heute. Viel mehr.
EMC 2057


Pat Metheny & Anna Maria Jopak: Upojenie, … so als hätte ihre Stimme seinen Stücken erst Sinn verliehen. Eine CD über, die man nicht mehr zu sagen braucht. Eine von den wenigen CD für die Insel.
Nonesuch 7559-799 098


Einer, der bei Pink Floyd begann und zurückging zu Monteverdi, ein zweiter, der zu den Pionieren der elektronischen Musik gehört, ein dritter, der klassiche Musik studierte und bei John Barry landete, (dem Komponisten der James-Bond-Filmmusik). Gemeinsam vertonen sie die Carmina burana und Purcell. human? heißt die CD, zum Abtauchen für späte Abende.
naive NV 802011

Stradivari für Sonderverwertungen

Rekorde zu verzeichnen, das ist die Aufgabe des Guinness Buchs. Wer als Geiger hier landet, spielt einfach unglaublich schnell und findet die übliche Schneller-Höher-Lauter-Bewunderung. Wer in der BILD-Zeitung mit intimsten Bekenntnissen gesteht, wie er seine Beziehungen buchstäblich vergeigt, der findet auch sein Publikum.
David Garrett, der Junge mit der Geige aus Aachen. Schnellster Geiger der Welt, für die einen, geilster Geiger für die anderen. Geiger mit Popstarwirkung. Als er zehn Jahren alt ist übt er, genauso wie alle anderen Kinder, die zu Wundern hochgepuscht werden, sieben Stunden täglich. Er hat einfach Glück, dass die Investitionen Früchte tragen. Mit Dreizehn bekommt er einen Exklusivvertrag von der Deutschen Grammophon. Die Frage, ob es bei solchen Verträgen je um Kunst, geschweige denn um das Kind geht, stellt sich nie.
„Wenn du etwas erreichen willst, musst du knallhart dafür arbeiten und kämpfen ohne Ende. Diese Erfolgsgeschichten, aus dem Nichts heraus ganz nach oben zu kommen, führen zu falschen Vorstellungen.“ (Die Zeit)
Garrett hatte 2002 bei den Nokia Nights Of The Proms „in Hallen mit bis zu 17.000 begeisterten Menschen gespielt. Das hat mir schon zu denken gegeben. Wenn die Verpackung stimmt, dann kannst du auch Menschenmassen für klassische Musik begeistern.“
Folgerichtig  heißen seine CDs: „Free“, „Virtuoso“ und „Encore“, was nichts besagt und auch nicht soll, die Stücke heißen „Summer“, „Winter Lullaby“ oder „Smooth Criminal“, was auch nichts besagt. Es gibt zwei Klangvarianten: schmuseweich und pepperonifeurig. So wie man sich Klassik eben vorstellt, wenn man sie nicht kennt. Elektronischen Hall braucht man da, und nicht zu knapp, sonst füllt auch die schönste Stradivari nicht die riesigen Säle.
Jetzt hat er eine CD mit Mendelssohns Violinkonzert eingespielt. Makellos, fantasielos, ohne künstlerisches Profil. Aber die Verpackung scheint zu stimmen. Die Berliner Lizensierungsagentur mo-content sucht Markenpartner für „Sonderverwertungen“. Das bedeutet: die Unternehmen dürfen ihren Produkten eine CD von Garrett beilegen. Längst ist der Geiger kein Künstler, sondern eine Marke, die aufgebaut wird, wie jede andere auch –  sei es ein Parfum oder eine Margarine. Angst, die Marke zu verramschen, hat Garretts Management nicht.

Als wenn Sterben das Schlimmste wäre…

Vor der Erfindung des Penicillins hat einer, der von Syphillis befallen ist, nichts mehr zu verlieren. Auch Franz Schubert nicht, der sich ab 1822 die „venerische“ Krankheit geholt hat (nach Venus, der Göttin der Liebe).
Es ist kaum zu unterscheiden, ob der Tod eine Folge der Krankheit ist, oder der Behandlung. „Kuriert“ wird nämlich hauptsächlich mit Quecksilber (=Hg). Die sog. „große Kur“ beginnt mit der Einnahme von Hg, also einer gezielten Vergiftung von innen. Danach werden Salben, die bis zu 50% flüssiges Hg enthalten, großflächig aufgetragen. Der Kranke darf sich weder waschen, noch die Bettwäsche wechseln, auch gelüftet werden darf nicht, damit die Dämpfe unverdünnt im Zimmer bleiben. Die Anwendungen werden so lange fortgeführt, bis der Kranke endlich hohes Fieber hat.
Schubert schreibt im Februar 1823 „da meine Gesundheits-Umstände mir noch immer nicht erlauben, außer Haus zu gehen.“ Er ist im Allgemeinen Krankenhaus in Wien zur Behandlung, das als das modernste Europas gilt. Geschlechtskranke sind in einem 90-Betten-Saal untergebracht. Dort entstehen die sonnigen Müllerin-Lieder. Ein Gedicht vom Mai läßt in sein Inneres blicken: „Meines Lebens Martergang/ Nahend ew’gem Untergang“ Im August scheint es ihm relativ gut zu gehen, „und befinde mich ziemlich wohl. Ob ich je wieder ganz gesund werde, bezweifle ich fast.“ Es entsteht die Rosamunde-Musik.
Die Freunde halten sich untereinander auf dem Laufenden:
„Schubert ist besser, es wird nicht lange dauern, so wird er wieder in seinen eigenen Haaren gehen, die wegen des Ausschlags geschoren werden mußten. Er trägt eine sehr gemütliche Perücke.“
Allerdings kommt es 1824 zu einem schweren Rückfall „Denk Dir einen Menschen, dessen Gesundheit nie mehr richtig werden will.“ Das Streichquartett ,Der Tod und das Mädchen‘ fallen in diese Zeit. Aber auch das heitere Oktett, Lieder wie ,Im Frühling‘ und ,Lebensmut‘, Klaviermusik zu 4 Händen.
„Als wenn Sterben das Schlimmste wäre, was uns Menschen begegnen könnte.“ schreibt er 1825 dem Vater.
Weder wird etwas aus der Bewerbung um die 2. Hofkapellmeisterstelle, noch aus seinen Opernplänen, Einladungen werden spärlich. Pro Lied bekommt er von seinen Verlegern einen Gulden, die seine Not um Geld für Medikamente schamlos ausnutzen. Stolz schreibt er: „Mich soll der Staat erhalten, ich bin für nichts als das Componieren auf die Welt gekommen.“ 1827, wieder im Krankenhaus, schreibt er die Winterreise. 1828 wird ein gutes Jahr. Einladungen, Privatkonzerte, Veröffentlichungen wechseln einander ab, er kann sogar die 70km bis zu Haydns Grab zu Fuß zurücklegen! Die große Messe Es-Dur entsteht, Klaviersonaten, das Streichquintett, die große Sinfonie in C-Dur, energisch und kraftvoll.
Da die ärztlichen Anwendungen nicht helfen, macht man bei „fortschreitender Blutentmischung“ Aderlässe. Die geben ihm den Rest.
Er stirbt am 19. November 1828.

Hüpfen Sie mit diesem Eccosaise

Schubert findet für den Sommer 1818 eine Anstellung bei der Familie Esterházy. Besonders kunstliebend kann es dort allerdings nicht zugegangen sein, denn er schreibt nicht ohne Spott an seine Freunde zu Hause: „Für das Wahre der Kunst fühlt hier keine Seele, höchstens dann und wann die Gräfin. Unser Schloß ist sehr niedlich gebaut. Es ist ziemlich ruhig, bis auf einige 40 Gänse. Die mich umgebenden Menschen sind durchaus gute. Der Herr Inspektor bildet sich viel auf seine gehabten Musiktalente ein. Seine Frau ist eine Frau wie alle Frauen, die ˛gnädig’ heißen wollen. Der Doktor kränkelt mit vierundzwanzig Jahren wie eine alte Dame. Der Chirurgus, eine achtbarer Greis von fünfundsiebzig Jahren, mir der Liebste…“
Nein, nach Kunst ist keinem so recht zumute in diesem Land. Schuberts Leben fällt in eine Phase politischer Repression und Depression. Napoleons Siegeszüge wie Niederlagen hatten Millionen Menschen das Leben gekostet. Metternich, seit 1809 Außenminister Österreichs, beschert dem Land zwar außenpolitischen Frieden. Die innenpolitische Ruhe ist jedoch trügerisch. Geheimpolizei, Spitzelei und Denunziantentum bringen mehrfach große Selbstmordwellen über Wien.
So klagt Schubert in einem Brief an seinen Bruder Franz über „jenes fatale Erkennen einer miserablen Wirklichkeit“ und bemüht sich, sie durch seine Fantasie „so viel als möglich zu verschönern“. Er versieht seine Stücke mit humorigen Widmungen:
Hüpfen Sie mit diesem Eccosaise
froh durch jedes Ach und Weh!
Der zeitgenössische Maler Caspar David Friedrich empfiehlt in einem Brief seinem Bruder : „Hüte dich, dieser kalten herzlosen Menschenart ein Herz zu zeigen, umziehe es mit einer Eisrinde“.
Schubert dagegen läßt uns durch seine Musik an seinem Innenleben teilhaben. Er gibt seinen Gefühlen und Gedanken dadurch Ausdruck und Form. Tatsächlich ist er ein fleißiger Schreibtischhocker, der täglich ein gewisses Pensum absolviert: „wenn man unter Tags zu ihm kommt, sagt er: ,Grüß dich Gott, wie geht’s? gut?‘ und schreibt weiter, worauf man sich entfernt“. Der Tag gehörte seinem Schaffen, um Sechs Uhr in der Frühe beginnt er gewöhnlich und so kommt es, dass er mit 22 Jahren bereits über 600 Stücke geschrieben hat.

Franz, zum letzten Mal gekräht

Der junge Schubert, der ohnehin in seiner eigenen Welt gelebt hatte, wird nach dem Tod der Mutter erst recht als nachdenklich und introvertiert geschildert „er lebte mehr ein inneres Leben, welches er nach außen selten in Worten, ich möchte fast sagen, fast nur in Noten sich kund tat“ schreibt sein Mitschüler Franz Eckel.
Das Ende seiner Konviktszeit ist abzusehen, der Stimmbruch setzt ein: „Schubert, Franz, zum letzten Mal gekräht, den 26. Juny 1812.“
Der Junge, der sich zum Komponisten berufen fühlt, soll Schulgehilfe des Vaters werden. Um den Vater umzustimmen, schreibt Franz mit 15 Jahren seine bild-2_06erste Sinfonie. Doch die neuen Töne, die bereits deutlich hörbar die Individualität des Sohnes zeigen, verschrecken den obrigkeitshörigen Vater mehr, als sie ihn beeindrucken.
Umso mehr dringt dieser also darauf, dass die geplante Laufbahn seines Sohnes als Lehrer in gesicherte Bahnen gelenkt wird.
Franz besucht die Vorbereitungsseminare an der Lehrerbildungsanstalt. Die Zeugnisse fallen bescheiden aus. Der Vater reagiert mit erneuten Zornesausbrüchen. Franz greift zu einer List: er komponiert eine Messe. Vielleicht ist der Vater mit einem religiösen Werk zu besänftigen. Vielleicht wird dem Lehrer die Aussicht, einen Kirchenkomponisten erzogen zu haben, besser gefallen.
Der Plan geht auf: Die Messe wird ,beifällig‘ aufgenommen und für eine Zeitlang ist der Vater/Sohn Konflikt stillgelegt. Franz darf weiterhin bei Salieri studieren, muss sich aber sein Brot als Schulgehilfe verdienen. 80 Gulden verdient Franz im Jahr, das entspricht nach heutigem Maßstab pro Monat 300€ (der aktuelle Hartz IV- Satz liegt bei 351€ )

Er ist in Therese, die Tochter eines Seidenfabrikanten verliebt: „Sie sang in meiner Messe die Sopransoli wunderschön. Drei Jahre hoffte ich, dass ich sie ehelichen werde. Ich konnte jedoch keine Anstellung finden, wodurch wir beide versorgt gewesen wären. Sie heiratete dann nach dem Wunsche der Eltern einen anderen. Ich liebe sie noch immer…“ Wer heiraten will, muß volljährig sein, bedarf der Erlaubnis des Staates und der Einwilligung der Eltern. Und die bekommt Franz natürlich nicht.

So verliert er nach dem Tod der Mutter wiederum eine geliebte Frau und findet sich im Streit mit dem Vater. Der hat inzwischen, ohne das Trauerjahr abzuwarten, eine um zwanzig Jahre Jüngere geheiratet: Es sind einfach noch zu viele Kinder da, die versorgt werden müssen.

„Was soll ich länger weilen/ bis man mich trieb hinaus?“ die Weichen für die Winterreise sind gelegt.

Sturm und Pein

Das Neueste ist, daß ein rasendes Selbstumbringen hier herrscht, nicht anders, als ob die Leute ganz gewiß wüßten, daß sie jenseits schnurstraks in den Himmel hineinspringen konnten“ Ignaz an Franz Schubert, 1824
Heimlich übt Schubert im Konvikt eine Mozart-Sonate und wird dabei von seinem Freund Joseph (von Spaun) überrascht. „Er war dabei sehr scheu und schamrot, aber mein Beifall erfreute ihn. Er vertraute mir an, daß er seine Gedanken öfter heimlich in Noten bringe; aber der Vater dürfe es nicht wissen, da er durchaus nicht wolle, daß er sich der Musik widme. Ich steckte ihm dann zuweilen Notenpapier zu.“
Franz hat Unterricht bei Wenzel Ruzicka, der Hoforganist am Burgtheater ist. Doch bald schon kann sein Lehrer ihm nichts mehr beibringen und macht seinen berühmten Kollegen, den Hofkapellmeister Antonio Salieri auf den Jungen aufmerksam. Salieri erkannt sofort die Begabung des Konvikten und verspricht ihm kostenlos Privatstunden zu geben. Salieri, der große Lehrer Wiens unterrichtet auch Beethoven, Hummel und Liszt.
Dieser musikalische  Übereifer ist dem Vater gar nicht recht. Eine musikalische Ausbildung soll dazu dienen, ein guter Lehrer zu werden, aber nicht etwa Musiker!
Ein Streit ist abzusehen: da Franz in seinen sonstigen schulischen Leistungen nachläßt bekommt er als Strafe neben dem Kompositionsverbot auch Hausverbot. Dazu erzogen, die Eltern zu verehren, die Mutter zu lieben und dem Vater unbedingten Gehorsam zu leisten, gerät Franz in größten Konflikt. Spaun spricht von einen ,Sturm‘, der in dem Jungen ausbricht.
Er will Seinem Freund Franz helfen und sammelt eine ansehnliche Menge günstiger Urteile über Schuberts Kompositionen. Doch der Vater ist unerbittlich:
Nicht einmal zum Tod der Mutter darf Franz nach Hause. Der Schmerz des 15-jährigen muß grenzenlos gewesen sein.

Heimlich übt Schubert im Konvikt eine Mozart-Sonate und wird dabei von seinem Freund Joseph (von Spaun) überrascht. „Er war dabei sehr scheu und schamrot, aber mein Beifall erfreute ihn. Er vertraute mir an, daß er seine Gedanken öfter heimlich in Noten bringe; aber der Vater dürfe es nicht wissen, da er durchaus nicht wolle, daß er sich der Musik widme. Ich steckte ihm dann zuweilen Notenpapier zu.“

Franz soll bei bei Wenzel Ruzicka, der Hoforganist am Burgtheater ist, Generalbaß lernen. Schon nach der zweiten Stunde kann sein Lehrer ihm nichts mehr beibringen und macht seinen berühmten Kollegen, den Hofkapellmeister Antonio Salieri auf den Jungen aufmerksam. Salieri erkennt sofort die Begabung des Konvikten und verspricht, ihm kostenlose Privatstunden zu geben. Salieri, der große Lehrer Wiens, zu dessen Schülern auch Beethoven, Hummel und Liszt gehören!

Dieser musikalische  Übereifer ist dem Vater gar nicht recht. Eine musikalische Ausbildung soll dazu dienen, ein guter Lehrer zu werden, aber nicht etwa Musiker!

Ein Streit ist abzusehen: Da Franz in seinen sonstigen schulischen Leistungen nachgelassen hat, bekommt er als Strafe neben dem Kompositionsverbot auch Hausverbot. Dazu erzogen, die Eltern zu verehren, die Mutter zu lieben und dem Vater unbedingten Gehorsam zu leisten, gerät Franz in größten Konflikt. Erziehungsprinzipien, die in dem aktuellen Film ,Das weiße Band‘ mit bedrückender Intensität gezeigt werden.

Spaun spricht von einen ,Sturm‘, der in dem Jungen ausbricht.

Er will seinem Freund Franz helfen und sammelt eine ansehnliche Menge günstiger Urteile über Schuberts Kompositionen. Doch der Vater ist unerbittlich:

Nicht einmal zum Tod der Mutter darf Franz nach Hause. Der Schmerz des 15-jährigen muß grenzenlos gewesen sein. Er vertont von Friedrich Schiller:

Mit erstorbnem Scheinen
Steht der Mond auf totenstillen Hainen,
Seufzend streicht der Nachtgeist durch die Luft.
Nebelwolken schauern,
Sterne trauern
Bleich herab wie Lampen in der Gruft.
Dumpfig schollerts überm Sarg zum Hügel,
O um Erdballs Schätze nur noch einen Blick!
Starr und ewig schließt des Grabes Riegel,
Dumpfer – dumpfer schollerts überm Sarg zum Hügel,
Nimmer gibt das Grab zurück.

Leerer Bauch studiert nicht gern

In jährlichem Abstand werden im Hause Schubert 14 Kinder geboren. Franz Peter Seraph kommt am 31. Jänner 1797 zur Welt, das elfte Kind, der siebte Sohn.
Wien ist damals im deutschsprachigen Raum die größte Stadt mit etwa einer Viertelmillion Einwohnern. Der Vater ist Lehrer und gilt neben dem Pfarrer und Bürgermeister als Respektsperson. In seinem Weltbild ist der Lehrerberuf ein respektabler Beruf, in dem man es ohne teures Studium in seinem Stand zu etwas bringen kann. Auf dieses Berufsziel bereitet er seine vier überlebenden Söhne gezielt vor und dazu gehört natürlich auch die musikalische Ausbildung.
Der älteste Sohn, Ignaz, unterrichtet natürlich schon bald die jüngeren, doch bereits nach einigen Monaten ist dem Vierjährigen, dem „kleinen Franzl“, nichts mehr beizubringen. Im Gegenteil, Ignaz „war sehr erstaunt, als er nach einigen Monathen mir ankündigte, dass er nun meines ferneren Unterrichts nicht mehr bedürfe.“
Dem Vater hat genug Erfahrung, um zu merken, dass er es hier mit einer Ausnahmebegabung zu tun hat. „In seinem fünften Jahre bereitete ich ihn zum Elementarunterricht vor, in seinem achten Jahr brachte ich ihm Violinspiel bei.“ Bald beherrscht Franz Peter neben der Violine auch die Viola und das Klavier, da bietet sich noch etwas Besonderes an. In der „Wiener Zeitung“ steht ein Inserat: „Zum Ende des gegenwärtigen Schuljahres wird in dem k.k.Convict eine Stelle für einen Sopranisten erledigt.“
Auch der junge Haydn war schon Eleve dieses traditionsreichen Konvikts gewesen. Die Zöglinge erhalten ein Stipendium für freien Unterricht und arbeiten ihr Schulgeld als Sängerknaben in der Hofkapelle ab. Franz besteht.
Und bald schon erhält der große Bruder einen typischen Brief:„Gleich heraus damit, was mir am Herzen liegt, Schon lange habe ich über meine Lage nachgedacht und gefunden, daß sie im Ganzen genommen zwar gut sei, aber doch noch hier und da verbessert werden könnte. Du weißt doch aus Erfahrung, dass man hie und da ein paar Aepfel esse möchte… Ich stütze mich auf die Worte des Apostels: wer zwei Röcke hat, der gebe den Armen etc. Indessen wünsche ich, Dich Deines Dich liebenden, armen, hoffenden und nochmal armen Bruder Franz zu erinnern.“

In jährlichem Abstand werden im Hause Schubert insgesamt 14 Kinder geboren. Franz Peter Seraph kommt am 31. Jänner 1797 zur Welt, das elfte Kind, der siebte Sohn.

Wien ist damals im deutschsprachigen Raum die größte Stadt mit etwa einer Viertelmillion Einwohnern. Der Vater ist Lehrer und gilt neben dem Pfarrer und Bürgermeister als Respektsperson. In seinem Weltbild ist der Lehrerberuf ein respektabler Beruf, in dem man es ohne teures Studium in seinem Stand zu etwas bringen kann. Auf dieses Berufsziel bereitet er seine vier überlebenden Söhne gezielt vor und dazu gehört natürlich auch die musikalische Ausbildung.

Der älteste Sohn, Ignaz, unterrichtet schon bald die jüngeren, doch bereits nach einigen Monaten ist dem Vierjährigen, dem „kleinen Franzl“, nichts mehr beizubringen. Im Gegenteil, Ignaz „war sehr erstaunt, als er nach einigen Monathen mir ankündigte, dass er nun meines ferneren Unterrichts nicht mehr bedürfe.“

Der Vater hat genug Erfahrung, um zu merken, dass er es hier mit einer Ausnahmebegabung zu tun hat. „In seinem fünften Jahre bereitete ich ihn zum Elementarunterricht vor, in seinem achten Jahr brachte ich ihm Violinspiel bei.“ Bald beherrscht Franz Peter neben der Violine auch die Viola und das Klavier, da bietet sich noch etwas Besonderes an. In der „Wiener Zeitung“ steht ein Inserat: „Zum Ende des gegenwärtigen Schuljahres wird in dem k.k.Convict eine Stelle für einen Sopranisten erledigt.“

Auch der junge Haydn war schon Eleve dieses traditionsreichen Konvikts gewesen. Die Zöglinge erhalten ein Stipendium für freien Unterricht und arbeiten ihr Schulgeld als Sängerknaben in der Hofkapelle ab. Franz besteht und erhält eine Uniform.

Und bald schon erhält der große Bruder einen typischen Brief: „Gleich heraus damit, was mir am Herzen liegt. Schon lange habe ich über meine Lage nachgedacht und gefunden, daß sie im Ganzen genommen zwar gut sei, aber doch noch hier und da verbessert werden könnte. Du weißt doch aus Erfahrung, dass man hie und da ein paar Aepfel esse möchte… Ich stütze mich auf die Worte des Apostels: wer zwei Röcke hat, der gebe den Armen etc. Indessen wünsche ich, Dich Deines Dich liebenden, armen, hoffenden und nochmal armen Bruder Franz zu erinnern.“

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