Hören zu können genügt nicht

Für die einen ist es Rap oder Hip-Hop, für die anderen Alpenjodel oder Arientriller – Musik finden doch alle irgendwie prima, oder?
Hören zu können ist längst nicht allen Lebewesen eigen, und Hören zu können reicht nicht, um Musik zu verstehen.
Am Anfang schwamm im Schlamm seines Teiches ein Pantoffeltierchen: Es konnte schon Helligkeit und Dunkelheit wahrnehmen und chemische Prozesse ermöglichten ihm so etwas wie Riechen und Schmecken. Aber hören konnte es nichts.
Millionen Jahre später bevölkerten Quallen und Meeresschnecken die Ozeane, doch auch sie hören noch nichts.
Insekten hören zwar, aber völlig anders als wir. Grillen beispielsweise nehmen einen bestimmten Frequenzbereich wahr, der ein festgelegtes Verhaltensrepertoire auslöst. Doch das hat mit Hören in unserem Sinne nichts zu tun.
Die ersten hörenden Lebewesen sind die Fische. Sie besitzen ein Band druckempfindlicher Zellen an der Seite des Rumpfes, das die Wasserbewegungen von allen Mitschwimmern wahrnimmt. Diese Zellen wanderten im Laufe von Hunderten Millionen Jahren allmählich in das Innere des Kopfes, wo sie die Grundlage für das Gleichgewichtsorgan bildeten. Das erste System, das Schalldruck als Information verarbeiten konnte. Aber obwohl Fische jede Note einer Sinfonie hören können, fehlt ihnen ein richtiges Innenohr.
Erst die Amphibien, allen voran unser Frosch, entwickelten einen Beutel mit Haarsinneszellen, der einzig dem Hören diente.
Vögel sind da doch schon richtige Musikanten. Sie bildeten, unabhängig von den Säugetieren, eine dreikammerige Cochlea (Hörschnecke), mit denen sie Frequenzen zwischen 50 – 30.000 Hertz hören können. (Im Vergleich dazu: Das menschliche Hörspektrum liegt zwischen 20 – 18.000 Hertz) Vögel zirpen und zwischtern, trillern und tirilieren. Sie können die Struktur der Schallschwingungen wahrnehmen und gehen dem Auf und Ab der Klangkontur nach. So können Sie ihre artenspezisfischen Gesänge erkennen. Aber auch sie haben noch keine Vorstellung von Musik im menschlichen Sinne.
Denn dazu gehört eine Fähigkeit, die gar nicht im Ohr, sondern im Gehirn beheimatet ist: Die Fähigkeit, Beziehungen zwischen den Tönen herzustellen und zu erkennen. Die Grundvoraussetzung für Musik.
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1 Response to “Hören zu können genügt nicht”


  1. 1 Pierre Even Montag, 1, Februar, 2010 um 9:28 am

    Als vorläufiges Fazit dieser interessanten Ausführungen könnte man wohl feststellen, daß das musikalische Hören auch das eigene Musizieren, in welcher Form auch immer, auch wenn es „nur“ das Singen ist, voraussetzt – wie bei den fröhlichen Musikanten, den Vögeln. Also: musikalische Erziehung und Musizieren ist für das musikalische Hören unabdinglich.


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