Vom Staunen zum Kaufen

Was ist so besonders an Musik, dass wir ihretwegen in Verzückung und Tränen ausbrechen, Gänsehaut gekommen und die Zeit und Welt um uns herum vergessen? Auf der Suche nach Antworten begannen wir letzte Woche in Griechenland vor ca. 2500 Jahren. Scheinbar nur ist diese Zeit weit entfernt. Wenn wir das alte Vokabular unserer Vorfahren auf unsere Zeit übertragen, so finden wir verblüffende Parallelen.
Phytagoras hatte den Zusammenhang von Saitenlänge und Tonhöhe erforscht. Das ist heute ein Thema der Physik, genauer der Akustik, die sich mit dem Schall und seiner Ausbreitung beschäftigt. Dieses Phänomen gehörte bis dahin ausschließlich in den Bereich der Philosophie, deren Grundvoraussetzung das Staunen (ϑαυμάζειν) ist. Nun wurde es zum Gegenstand der Naturwissenschaft, deren Ausgangspunkt im Messen liegt.
Platon bindet die Musik in die Erziehung ein – der Anfang der Musikpädagogik, die die Wirkung der Musik in Bildung und Erziehung untersucht. An besonders beispielhaften Projekten läßt sich gut ersehen, welche enorme Wichtigkeit und Bedeutung Musikausübung hat. Jedem-Kind-Sein-Instrument, ein Projekt aus NRW, das jedem Grundschulkind ein Instrument und Unterricht während der Grundschulzeit ermöglicht. Das Balletprojekt der Berliner Philharmonker, das in einem mitreißenden Film dokumentiert wurde. Venezuela, ein Land auf der anderen Seite des Globus, das der Welt zeigt, wie die Musik das Leben verändert. Hier ist die Musiksoziologie angesiedelt, die den Umgang des Menschen mit Musik untersucht.
Aristoteles beschreibt den Einfluß der Musik auf Seelenzustände. Der Zusammenhang zwischen Pulsschlag und Musik wird entdeckt. Themen, die heute die Musikpsychologie beschäftigt und in der Musiktherapie Anwendung finden.
Diogenes erkennt die Auswirkung der Musik auf unsere sensorische Differenzierungsfähigkeit. Die Musikphysiologie ist geboren.
Musikwissenschaft wie in den Artes liberales“ gleichberechtigt neben Geometrie und Arithmetik zu stellen, fiele heute kaum jemandem spontan ein, wiewohl es erstaunlich viele musiziereden Naturwissenschaftler gibt.
Ist Musik nur noch Wellness- und Spaß- und Nutzfaktor? Nützlich, um ADHS-geplagte Kinder vor Retalin zu bewahren oder um Kunden zum ersehnten „Point of Sale“ zu führen?
Oder ist da doch noch mehr?
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1 Response to “Vom Staunen zum Kaufen”


  1. 1 ubik Samstag, 30, Januar, 2010 um 11:39 am

    Ich denke für manche ist Musik zum Leben geworden. Aber das ist nur ein kleiner Prozentteil der Erdbevölkerung. Mit der Erfindung der Schallplatte ist jedoch eine neue Ära ausgebrochen, vielleicht hindert uns diese Ära in Konzerte zu gehen.


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