Vom homo erectus bis zur hohen Kunst

Musik  bewegt die Menschen so nachhaltig und tief, dass sie unmöglich von Menschen erfunden worden sein kann. Ihr Ursprung sei das Werk der Götter. So erklären die Mythologien vieler Völker die besondere Beziehung des Menschen zur Musik.
Unsere hominiden Verwandten wurden ab dem Moment zu unseren direkten Urahnen, als sie begannen, ein abstraktes, höheres Wesen zu verehren und Musik zu machen. So definieren einige Anthropologen den eigentlichen Anfang unserer Spezies.
Was ist denn so Besonderes an dieser zyklisch bewegten Luft, dass wir ihretwegen in Verzückung und Tränen ausbrechen, Gänsehaut bekommen und die Zeit und Welt um uns herum vergessen?
Auf der Suche nach Antworten aus Geschichte, Kunst und Wissenschaft beginnen wir in Griechenland:
6. Jh. vor Chr.
Pythagoras wird zugeschrieben, dass er die Zahlenverhältnisse von schwingenden Saiten herausfand. Wenn eine Saite 1000 mal pro Sekunde schwingt und eine andere Saite 2000 mal, so hören wir eine Oktav und das Zahlenverhältnis beträgt 1:2. So lassen sich alle Intervalle in Zahlenverhältnissen ausdrücken. Doch Pythagoras war nicht nur Mathematiker, sondern auch spiritueller Lehrer: Ihm ging es nicht nur darum, eine Beziehung zwischen Tönen und Zahlen zu finden, sondern die Musik wie die Mathematik in die Theorie seiner Kosmologie einzubinden, derzufolge (die rationalen) Zahlen der Grund aller Dinge seien.
5. Jh. vor Chr.
Platon stellte in seinem Entwurf des idealen Staats die Musik neben die Gymnastik. Die ausschließliche Beschäftigung mit Gymnastik führe zu „Rauheit und Härte“, die ausschließlich musische zu „Weichheit und Milde“. Erst die Kombination beider sorge für die richtige Erziehung. Jeder Stand hat eine eigene Musik.

4. Jh. vor Chr.
Nach Aristoteles ist die Beschäftigung mit der Musik wichtig, weil sie der Erheiterung und Entspannung diene und damit auf die Seele einwirke. Melodien und Rhythmen ahmten die Wirklichkeit nach und erweckten dieselben Seelenzustände wie die Realität. Allerdings könne nur durch eigene Musikausübung diese Wirkung erzogen werden.
2. Jh. vor Chr.
Diogenes (der in der Tonne) beschreibt erstmals den Unterschied zwischen einem angeborenen, natürlichen Urteilsvermögen und einem geschulten. Musik und deren Ausübung schärfe die Sinne.
1. Jh. nach Chr.
Seneca unterschied in sieben freie Künste (Artes liberales). Die Musik gehört neben der Arithmetik, Geometrie und Astronomie zum Quadrivium, den sog. höheren Künsten. Grammatik, Rhetorik und Logik gehörten zum Trivium, den niederen Künsten. Wir nennen heute noch etwas Einfaches „trivial“.

Die Musik gehörte zu den „höheren“ Künsten, weil sie sich mit den hochgeschätzten Zahlen beschäftigte. Die emotionale Wirkung von Musik spielt in dieser Ordnung keine erwähnenswerte Rolle. Dieser Kanon wurde erst in der Renaissance erweitert.

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