Hüpfen Sie mit diesem Eccosaise

Schubert findet für den Sommer 1818 eine Anstellung bei der Familie Esterházy. Besonders kunstliebend kann es dort allerdings nicht zugegangen sein, denn er schreibt nicht ohne Spott an seine Freunde zu Hause: „Für das Wahre der Kunst fühlt hier keine Seele, höchstens dann und wann die Gräfin. Unser Schloß ist sehr niedlich gebaut. Es ist ziemlich ruhig, bis auf einige 40 Gänse. Die mich umgebenden Menschen sind durchaus gute. Der Herr Inspektor bildet sich viel auf seine gehabten Musiktalente ein. Seine Frau ist eine Frau wie alle Frauen, die ˛gnädig’ heißen wollen. Der Doktor kränkelt mit vierundzwanzig Jahren wie eine alte Dame. Der Chirurgus, eine achtbarer Greis von fünfundsiebzig Jahren, mir der Liebste…“
Nein, nach Kunst ist keinem so recht zumute in diesem Land. Schuberts Leben fällt in eine Phase politischer Repression und Depression. Napoleons Siegeszüge wie Niederlagen hatten Millionen Menschen das Leben gekostet. Metternich, seit 1809 Außenminister Österreichs, beschert dem Land zwar außenpolitischen Frieden. Die innenpolitische Ruhe ist jedoch trügerisch. Geheimpolizei, Spitzelei und Denunziantentum bringen mehrfach große Selbstmordwellen über Wien.
So klagt Schubert in einem Brief an seinen Bruder Franz über „jenes fatale Erkennen einer miserablen Wirklichkeit“ und bemüht sich, sie durch seine Fantasie „so viel als möglich zu verschönern“. Er versieht seine Stücke mit humorigen Widmungen:
Hüpfen Sie mit diesem Eccosaise
froh durch jedes Ach und Weh!
Der zeitgenössische Maler Caspar David Friedrich empfiehlt in einem Brief seinem Bruder : „Hüte dich, dieser kalten herzlosen Menschenart ein Herz zu zeigen, umziehe es mit einer Eisrinde“.
Schubert dagegen läßt uns durch seine Musik an seinem Innenleben teilhaben. Er gibt seinen Gefühlen und Gedanken dadurch Ausdruck und Form. Tatsächlich ist er ein fleißiger Schreibtischhocker, der täglich ein gewisses Pensum absolviert: „wenn man unter Tags zu ihm kommt, sagt er: ,Grüß dich Gott, wie geht’s? gut?‘ und schreibt weiter, worauf man sich entfernt“. Der Tag gehörte seinem Schaffen, um Sechs Uhr in der Frühe beginnt er gewöhnlich und so kommt es, dass er mit 22 Jahren bereits über 600 Stücke geschrieben hat.
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