Franz, zum letzten Mal gekräht

Der junge Schubert, der ohnehin in seiner eigenen Welt gelebt hatte, wird nach dem Tod der Mutter erst recht als nachdenklich und introvertiert geschildert „er lebte mehr ein inneres Leben, welches er nach außen selten in Worten, ich möchte fast sagen, fast nur in Noten sich kund tat“ schreibt sein Mitschüler Franz Eckel.
Das Ende seiner Konviktszeit ist abzusehen, der Stimmbruch setzt ein: „Schubert, Franz, zum letzten Mal gekräht, den 26. Juny 1812.“
Der Junge, der sich zum Komponisten berufen fühlt, soll Schulgehilfe des Vaters werden. Um den Vater umzustimmen, schreibt Franz mit 15 Jahren seine bild-2_06erste Sinfonie. Doch die neuen Töne, die bereits deutlich hörbar die Individualität des Sohnes zeigen, verschrecken den obrigkeitshörigen Vater mehr, als sie ihn beeindrucken.
Umso mehr dringt dieser also darauf, dass die geplante Laufbahn seines Sohnes als Lehrer in gesicherte Bahnen gelenkt wird.
Franz besucht die Vorbereitungsseminare an der Lehrerbildungsanstalt. Die Zeugnisse fallen bescheiden aus. Der Vater reagiert mit erneuten Zornesausbrüchen. Franz greift zu einer List: er komponiert eine Messe. Vielleicht ist der Vater mit einem religiösen Werk zu besänftigen. Vielleicht wird dem Lehrer die Aussicht, einen Kirchenkomponisten erzogen zu haben, besser gefallen.
Der Plan geht auf: Die Messe wird ,beifällig‘ aufgenommen und für eine Zeitlang ist der Vater/Sohn Konflikt stillgelegt. Franz darf weiterhin bei Salieri studieren, muss sich aber sein Brot als Schulgehilfe verdienen. 80 Gulden verdient Franz im Jahr, das entspricht nach heutigem Maßstab pro Monat 300€ (der aktuelle Hartz IV- Satz liegt bei 351€ )

Er ist in Therese, die Tochter eines Seidenfabrikanten verliebt: „Sie sang in meiner Messe die Sopransoli wunderschön. Drei Jahre hoffte ich, dass ich sie ehelichen werde. Ich konnte jedoch keine Anstellung finden, wodurch wir beide versorgt gewesen wären. Sie heiratete dann nach dem Wunsche der Eltern einen anderen. Ich liebe sie noch immer…“ Wer heiraten will, muß volljährig sein, bedarf der Erlaubnis des Staates und der Einwilligung der Eltern. Und die bekommt Franz natürlich nicht.

So verliert er nach dem Tod der Mutter wiederum eine geliebte Frau und findet sich im Streit mit dem Vater. Der hat inzwischen, ohne das Trauerjahr abzuwarten, eine um zwanzig Jahre Jüngere geheiratet: Es sind einfach noch zu viele Kinder da, die versorgt werden müssen.

„Was soll ich länger weilen/ bis man mich trieb hinaus?“ die Weichen für die Winterreise sind gelegt.

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