Erst wiederholter Genuß macht’s!

Uraufführungen sind scheußlich?
„Herr Slawijk trug eine Fantasie für Violine und Klavier von Herrn Schubert vor. Die Fantasie dehnte sich etwas zu lang  über die Zeit aus, die der Wiener den geistigen Genüssen widmen will. Der Saal wurde allmählich leerer, und Referent gesteht, daß auch er von dem Ausgang dieses Musikstückes nicht zu sagen weiß.“ Der Sammler,1828
„Man könnte darüber füglich das Urteil fällen, der beliebte Tonsetzer habe sich hier geradezu verkomponiert.“ Allgemeine Musikalische Zeitung Leipzig, 1828
„Es wurde die Beethovensche Sinfonie [N° 3] gegeben. Die lange, äußerst schwierige Komposition ist eigentlich eine sehr weit ausgeführte, kühne Phantasie. Referent gehört gewiss zu Hrn. Beethovens aufrichtigsten Verehrern; abe bey dieser Arbeit muss er doch gestehen, des Grellen und Bizarren allzuviel zu finden, wodurch die Übersicht äußerst erschwert und die einheit beynahe ganz verloren geht. auch fehlte sehr viel, dass die Sinfonie allgemein gefallen hätte. “ Allgemeine Musikalische Zeitung Leipzig, 1805
„Aber der Kenner genießt sie erst ganz, und ein wiederholtes Anhören verdoppelt seinen geistigen Genuß, je tiefer er in den technischen und ästhetischen Gehalt des originellen Werkes eindringt.“ Zeitung für die elegante Welt, 1807

Die Zeit der Sommerfestivals neigt sich dem Ende zu. Von Schleswig Holstein bis Salzburg wiederholen die Konzertprogramme kaleidoskopartig immer dieselben, allgemein beliebten Musikstücke. Uraufführungen zeitgenössischer Musiker sind selten zu finden, gelten sie doch als schwer verständlich und schlecht verkäuflich. Da setzen die Veranstalter doch lieber auf bekannte Zugpferde, beliebte Klassiker wie Schubert oder Beethoven. Dass deren Werke zu ihren Lebzeiten auch nicht gerade ungeteilte Begeisterung fanden, ist für uns heute nicht mehr nachvollziehbar.

„Herr Slawijk trug eine Fantasie für Violine und Klavier von Herrn Schubert vor. Die Fantasie dehnte sich etwas zu lang über die Zeit aus, die der Wiener den geistigen Genüssen widmen will. Der Saal wurde allmählich leerer, und Referent gesteht, daß auch er von dem Ausgang dieses Musikstückes nichts zu sagen weiß.“ Der Sammler, 1828

„Man könnte darüber füglich das Urteil fällen, der beliebte Tonsetzer habe sich hier geradezu verkomponiert.“ Allgemeine Musikalische Zeitung Leipzig, 1828

„Es wurde die Beethovensche Sinfonie N°3 gegeben. Die lange, äußerst schwierige Komposition ist eigentlich eine sehr weit ausgeführte, kühne Phantasie. Referent gehört gewiss zu Hrn. Beethovens aufrichtigsten Verehrern; aber bey dieser Arbeit muss er doch gestehen, des Grellen und Bizarren allzuviel zu finden, wodurch die Übersicht äußerst erschwert und die Einheit beynahe ganz verloren geht. Auch fehlte sehr viel, dass die Sinfonie allgemein gefallen hätte. “ Allgemeine Musikalische Zeitung Leipzig, 1805

Offensichtlich hat sich also gar nichts geändert, bejubelt wird, was bekannt ist. Doch auch damals schon gab es ein paar Wenige, die zeigten, wie man mit neuer Musik umgehen kann:

„Aber der Kenner genießt sie [die Sinfonie] erst ganz, und ein wiederholtes Anhören verdoppelt seinen geistigen Genuß, je tiefer er in den technischen und ästhetischen Gehalt des originellen Werkes eindringt.“ Zeitung für die elegante Welt, 1807

Oder wie es August Ferdinand Tietz, ein österreichischer Geiger sagt: „es geht mit dem Produkten der Kunst wie – wenn uns der Vergleich erlaubt ist – mit den Raffinements der verfeinerten Kochkunst: man muss sich durch wiederholten Genuss erst dafür empfänglich gemacht haben, wo sie Einem dann oftmals allzu lieb werden.“

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