…aus hellem Blick strahlt der Geist

1790 sterben kurz nacheinander der Fürstin und der Fürst Esterházy. Deren Nachfolger hat keinerlei Interesse an Musik und löst das Orchester auf. Aus Renommegründen behält er nominell seinen berühmter Kapellmeister in Lohn und Stellung, entbindet ihn aber jeglicher Verpflichtungen: Haydn kann tun, was er will!
Als erstes zieht er nach 30 Jahren des goldenen Käfigs nach Wien. Dort wird er umworben wie kein anderer. Aus Pressburg (Bratislava) und Neapel kommen Angebote. Doch Haydn, der lange genug in feudalen Diensten gewesen war, zieht es in die Metropole London.
Dort war ein eigenständiges Musikleben entstanden, auf das Hof und Adel nur noch wenig Einfluß haben. Früh hatte sich auch eine bürgeliche-kritische Presse entwickelt, die nun ein eigenständiges Organ im Musikleben darstellt. Die knapp eine Million Einwohner zählende Stadt hat bereits fünf Konzert-Subskriptionsreihen, die meist ausverkauft sind. Dazu kommen zahlreichen Chorvereinigungen und vor allem die jährlich stattfindenden Händel-Feiern, die auf Haydn tiefen Eindruck machen werden.
Der Agent Salomon soll bei Haydn mit den Worten:„ Ich bin Salomon von London und komme, sie abzuholen.“ aufgetaucht sein. Und Haydn, der endlich frei ist, greift zu. Er soll eine Oper (Honorar: dreihundert Pfund) schreiben, dazu sechs Sinfonien (für 300 Pfund), für die Verlagsrechte 200 Pfund bekommen und und für weitere kleine Werke ebenfalls 200 Pfund. Von solch lukrativen Angeboten hatte der bisherige Kapellmeister nur träumen können.
Mutig wagt er die Reise, steigt am 8. Jänner 1791 „um halb 8 uhr in das schif und [kommt] nachmittag um 5 uhr dem höchsten sey gedanckt wohlbehalten und gesund zu Dower an.“
Energisch lernt er englisch und wirft sich mit Elan in den Trubel, der um seine Person gemacht wird. Bereits am 11. März 1791 soll sein erstes öffentliches Auftreten stattfinden.
Doch die Konkurrenz in London schläft nicht. Sie läßt durchsickern, der Alte sei zwar ein hervorragender Komponist gewesen, nun aber schon ziemlich gebrechlich und könne die Erwartungen der englischen Musikfreunde leider nicht erfüllen. Haydn indessen ist alles andere als gebrechlich. Er bereitet sich gründlich vor und probt intensiv mit seinen Musikern. Geschickt plaziert er seine eigene Sinfonie im Programmablauf nach der Pause, damit auch die Zuspätkommenden sie noch hören könnten. Der Triumph hätte nicht größer sein können. Anwesende sprechen vor der „elektrischen Wirkung“, der in „Raserey übergehenden Begeisterung“ und der „Morning Chronicle“ schreibt:„ wir können nicht die starke Hoffnung unterdrücken, daß das erste musikalische Genie der Zeit seinen Wohnsitz in England aufschlagen [möge].“
Nein, er wird nach Wien zurückkehren und dort, von den Oratorien Händels tief beeindruck, ein eigenes Oratorium schreiben: „Die Schöpfung“. Dieses Werk feiert den Menschen als würdevolles Ebenbild Gottes, was vor allem im nachrevolutionären Frankreich auf besonders fruchtbaren Boden fällt. Von 140 französischen Musikern unterzeichnet, erhält Haydn 1801 ein Huldigungsschreiben, seine Musik bringe den Menschen die „Fackel der Erleuchtung“.
Haydn stirbt am 31. März 1809 in Wien.

1790 sterben kurz nacheinander Fürstin und Fürst Esterházy. Deren Nachfolger hat keinerlei Interesse an Musik und löst das Orchester auf. Aus Renommegründen hält er zwar nominell seinen berühmten Kapellmeister in Lohn und Stellung, entbindet ihn aber jeglicher Verpflichtungen: Haydn kann tun, was er will!

Als erstes zieht er nach 30 Jahren goldenen Käfigs nach Wien. Dort wird er umworben wie kein anderer. Aus Pressburg (Bratislava) und Neapel kommen Angebote. Doch Haydn, der lange genug in feudalen Diensten gewesen war, zieht es in die Metropole London.

Dort war ein eigenständiges Musikleben entstanden, auf das Hof und Adel nur noch wenig Einfluß hatten. Früh hatte sich auch eine bürgerlich-kritische Presse entwickelt. Die knapp eine Million Einwohner zählende Stadt hat fünf Konzert-Subskriptionsreihen, die meist ausverkauft sind, dazu zahlreiche Chorvereinigungen und vor allem die jährlich stattfindenden Händel-Feiern, die auf Haydn tiefen Eindruck machen werden.

Der Agent Salomon soll bei Haydn in Wien mit den Worten: „ Ich bin Salomon von London und komme, sie abzuholen.“ aufgetaucht sein. Und Haydn greift zu. Er soll für eine Oper, sechs Sinfonien, kleinere Werke und die Verlagsrechte 1000 Pfund bekommen – von solch einem lukrativen Angebot hatte der bisherige Kapellmeister nur träumen können.

Mutig wagt er die Reise, steigt am 8. Jänner 1791 „um halb 8 uhr in das schif und [kommt] nachmittag um 5 uhr dem höchsten sey gedanckt wohlbehalten und gesund zu Dower an.“

Energisch lernt er englisch und wirft sich mit Elan in den Trubel, der um seine Person gemacht wird. Bereits am 11. März 1791 soll sein erstes öffentliches Auftreten stattfinden.

Doch die Konkurrenz in London schläft nicht. Sie läßt durchsickern, der Alte sei zwar ein hervorragender Komponist gewesen, nun aber schon ziemlich gebrechlich und könne die Erwartungen der englischen Musikfreunde leider nicht erfüllen. Haydn indessen ist alles andere als gebrechlich. Er bereitet sich gründlich vor und probt intensiv mit seinen Musikern. Geschickt platziert er seine eigene Sinfonie im Programmablauf nach der Pause, damit auch die Zuspätkommenden sie noch hören könnten. Der Triumph hätte nicht größer sein können. Anwesende sprechen vor der „elektrischen Wirkung“, der in „Raserey übergehenden Begeisterung“ und der „Morning Chronicle“ schreibt: „wir können nicht die starke Hoffnung unterdrücken, daß das erste musikalische Genie der Zeit seinen Wohnsitz in England aufschlagen [möge]“.

Er wird aber nach Wien zurückkehren und dort, von den Oratorien Händels tief beeindruck, selbst ein Oratorium schreiben: „Die Schöpfung“. Dieses Werk feiert den Menschen als würdevolles Ebenbild Gottes, was vor allem im nachrevolutionären Frankreich auf besonders fruchtbaren Boden fällt. Von 140 französischen Musikern unterzeichnet, erhält Haydn 1801 ein Huldigungsschreiben, seine Musik bringe den Menschen die „Fackel der Erleuchtung“.

Hören wir, wie er den Menschen beschreibt:   bild-2_06 „aus dem hellen Blicke/ strahlt der Geist, des Schöpfers Hauch/ und Ebenbild.“

Haydn stirbt am 31. März 1809 in Wien an „allgemeiner Entkräftung“.

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