Zwischen Moor und Mücken

Nachdem Haydns Dienstherr Fürst Esterházy 1766 Versailles besucht hatte, beschließt er, getreu seinem Motto: „Was der Kaiser kann, kann ich auch“ eine eigene fantastische Residenz zu erbauen. Schloß Esterháza.
Mitten im Niemandsland, hinter dem Neusiedler See, zwischen Moor und Mücken, entsteht das nach Versailles prunkvollste weltliche Gebäude Europas. Um sich in der weiten Anlage zurecht zu finden reicht man den Gästen Kupferstiche mit Lageplänen aller Gebäude.
Die Anlage spiegelt den Anspruch ihre Souverän, der sich in ihrem Zentrum sonnt und dessen Glanz durch alle Künste gespiegelt werden soll.
Und so wird der „Joseph Heyden alltäglich, vor und nach-Mittag in der anti-chambre erscheinen, und sich melden lassen, allda die Hochfürstl. Ordre ob eine Musique sein solle? abwarthen.“
Die Routine und fundierte Technik, die der Komponist als Sängerknabe erworben hat, verhilft ihm jetzt, sein den unmäßiges Anspruch seines Dienstherren zu befriedigen.
An einem Ort kurz vor dem Ende der Welt gibt es für einen Künstler zwei Möglichkeiten: zu versauern und auf dem Niveau seines eitlen Dienstherrn pausenlos Gefälliges zu produzieren, oder dafür zu sorgen, dass das Ende zum Mittelpunkt der Welt wird. Genau das gelingt Haydn.
Natürlich wird erwartet, dass er die beliebtesten Opern Wiens auch in Esterháza aufführt, aber allein die Art und Weise, wie Haydn die Stücke für den dortigen Gebrauch umarbeitet, zeigt, dass hier ein Meister am Werk ist: Nach seinen musikalischen Vorstellungen werden ganze Arien und Ensemblesätze gestrichen, Nebenfiguren eliminiert, Arien transponiert, Begleitungen klangvoller figuriert Tempi angezogen, Kontraste verstärkt – nach kurzer Zeit schon ist das gesamte Ensemble ausgetauscht, Qualität hat ihren Preis. Mit mittelmäßigen Musikern kann man keine hervorragende Musik machen.
„Mein Fürst war mit allen meinen Arbeiten zufrieden, ich erhielt Beyfall, ich konnte als chef eines Orchesters Versuche machen, beobachten, was den eindruck hervorbringt und was ihn schwächtte, also verbessern, zusetzen, wegschneiden, wagen: ich war von der welt abgesondert … und so mußte ich original (=originell) werden.“
Maria Theresia, die mitsamt Hofstaat anreist, vergrault die Wiener Musiker, sie müsse nach Esterháza reisen, um gute Opern zu hören. Wenn schon die Kaiserin extra in die Einöde fährt, dann muß wohl was dran sein, an der Hofmusik dieses Haydn.
90 Sinfonien, Konzerte für Klavier, Orgel, Violine, ca. 55 Streichuartette, 11 Klaviertrios, 30 Streichtrios, 125 Barytontrios, 17 Opern, unzählige Messen, von den kleineren Werken wie Serenaden, Cassationen, Scherzi, Feldpartien, Lieder, Duos,

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Foto: http://www.esterhazy.net

Mitten im Niemandsland, hinter dem Neusiedler See, zwischen Moor und Mücken, entsteht das nach Versailles prunkvollste weltliche Gebäude Europas. Schloß Esterháza. Nachdem Haydns Dienstherr, Fürst Esterházy, 1764 Versailles besucht hatte, beschließt er, getreu seinem Motto: „Was der Kaiser kann, kann ich auch“ eine eigene fantastische Residenz zu erbauen.

Damit sie sich in der weiten Anlage zurechtfinden, reicht man den Gästen Kupferstiche mit Lageplänen der Gebäude. Die Anlage spiegelt den Anspruch ihres Souveräns, der sich in ihrem Zentrum sonnt und dessen Glanz alle Künste spiegeln sollen.

So wird der Komponist „Joseph Heyden alltäglich, vor und nach-Mittag in der anti-chambre erscheinen, und sich melden lassen, allda die Hochfürstl. Ordre ob eine Musique sein solle? abwarthen.“ Die Routine und fundierte Technik, die Haydn als Sängerknabe erworben hat, hilft ihm jetzt, den maßlosen Anspruch seines Dienstherren zu befriedigen.

An einem Ort kurz vor dem Ende der Welt gibt es für einen Künstler nur zwei Möglichkeiten: zu versauern und auf dem Niveau seines eitlen Dienstherrn pausenlos Gefälliges zu produzieren, oder dafür zu sorgen, dass das Ende zum Mittelpunkt der Welt wird. Genau das gelingt Haydn.

Natürlich wird erwartet, dass er die beliebtesten Opern Wiens auch in Esterháza aufführt, aber allein die Art und Weise, wie Haydn die Stücke für den dortigen Gebrauch umarbeitet, zeigt, dass hier ein Meister am Werk ist: Nach seinen musikalischen Vorstellungen werden ganze Arien und Ensemblesätze gestrichen, Nebenfiguren eliminiert, Arien transponiert, Begleitungen klangvoller figuriert, Tempi angezogen und Kontraste verstärkt. Auch ist nach kurzer Zeit schon das gesamte Ensemble ausgetauscht – Qualität hat ihren Preis. Mit mittelmäßigen Musikern kann man keine hervorragende Musik machen.

„Mein Fürst war mit allen meinen Arbeiten zufrieden, ich erhielt Beyfall, ich konnte als chef eines Orchesters Versuche machen, beobachten, was den eindruck hervorbringt und was ihn schwächtte, also verbessern, zusetzen, wegschneiden, wagen: ich war von der welt abgesondert … und so mußte ich original (=originell) werden“ sagt Haydn später über diese Zeit.

Maria Theresia, die mitsamt Hofstaat anreist, düpiert die Wiener Musiker mit der Bemerkung, sie müsse extra nach Esterháza reisen, um gute Opern zu hören. Wenn schon die Kaiserin in die Einöde fährt, dann muß wohl was dran sein, an der Musik dieses Haydn.

Neben der täglichen Arbeit, die Werke anderer Komponisten für die akustischen und spieltechnischen Bedürfnisse am Hof umzuarbeiten, schreibt Haydn allein 90 Sinfonien, zahllose Konzerte für Klavier, Orgel, Violine, 55 Streichquartette, 11 Klaviertrios, 30 Streichtrios, 125 Barytontrios, 17 Opern, unzählige Messen – von den kleineren Werken wie Serenaden, Cassationen, Scherzi, Feldpartien und den Liedern gar nicht zu sprechen. Formal gleicht kein Werk seinem Vorgänger, immer experimentiert er: an den Proportionen der Motive, seinem harmonischen Gefüge, der Beziehungen der Sätze, ihren Tempi – jeder Parameter wird getestet, alles probiert, vieles verworfen.

Keiner ahnt, in welchem Ausmaß die Welt ihn bald feiern sollte.

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