Erkennen Sie – die Melodie?

Joseph Haydn war Sängerknabe am Stephansdom zu Wien. Das klingt als Ausbildungsort für heutige Ohren wenig spektakulär. Was verbirgt sich dahinter?
Ein Überblick über den Bedarf an Kirchenmusik hilft hier weiter:
Der Dom beherbergt 39 Altäre. Jeder einzelne diente einer anderen Zunft als Messort. Beim Johannes-Altar feierten die Maler, beim Margarethen-Altar die Zimmerleute usf.
Gefeiert wurden die großen Feste des Kirchenjahres: Ostern, Kirchweih, Fronleichnam, Mariae Empfängnis, Mariae Namen zur Erinnerung an die Belagerung der Türken, Dankfeiern anläßlich zahlloser Eroberungen und Siege, das Hochamt zur Eröffnung des Landtags, Weihnachten, selbstverständlich die Patronatsfeste der 39 Altarheiligen und zahllose andere.
1732 zählte der Messner des Domes 54.558 Messen, also durchschnittlich 150 pro Tag, 407 Pontifikalämter, also täglich mindestens eines und 129.000 Bußandachten, täglich mehr als 350. Von 4 Uhr früh bis spät abends löste eine Andacht die andere ab.
Der tägliche Bedarf an solcherart Gebrauchsmusik war immens. Die Kantorei war ein straff durchorganisierter kirchenmusikalischer Dienstleistungsbetrieb. Dort lernte Haydn den knallharten Alltag kennen, in dem nicht individuelle Kunstfertigkeit im Erfinden neuer Melodien gefragt war, sondern vor allem sauberes handwerkliches Können. Die Werke sollten gattungsgerecht sein, dienten sie ja einem rituellen Zweck. Haydns mit Recht bewundertes sauberes handwerkliches Können erwarb er sich in seiner Zeit am Stephansdom.
Improvisieren war gefragt und zahlloses Variieren und Umarbeiten vorgefertigter Phrasen. Das durchschnittliche Alltagsprodukt wurde dem Wunsch des Auftraggebers gemäß nach vorgegebenen Mustern zurechtgeschnitten und dem Aufführungsort angepaßt. Kein Wunder, dass sich Komponisten selbst als Handwerker bezeichneten und zugaben, sie hätten sich „marode melodiert“.
Vor diesem Hintergrund läßt sich ermessen, welche Bedeutung Haydns Einfallsreichtum bekommen wird, denn schon in seiner Wiener Zeit setzt er sich von der schematischen Arbeitsweise seiner Kollegen ab. Doch davon später.

Joseph Haydn war Sängerknabe am Stephansdom zu Wien. Das klingt für heutige Ohren wenig spektakulär. Doch in Wirklichkeit war dieser Ort– zumindest was den Geräuschpegel anbelangt – ein Moloch der Musik:

Der Dom beherbergt 39 Altäre. Jeder einzelne diente einer anderen Zunft als Messort. Beim Johannes-Altar feierten die Maler, beim Margarethen-Altar die Zimmerleute usf.
1732 fanden im Dom 54.558 Messen statt, also durchschnittlich 150 pro Tag, dazu 407 Pontifikalämter, also täglich mindestens eines und 129.000 Bußandachten – täglich mehr als 350. Von 4 Uhr früh bis spät abends war der Raum voll und laut, wie auf einem Jahrmarkt. Selbst der Kaiser monierte, „daß man oft nicht wisse, wo man sich bei der Wandlung hinwenden solle, oder welchem Altar man den Rücken kehren dürfe“.

Gefeiert wurden die großen Feste des Kirchenjahres: Ostern, Kirchweih, Fronleichnam, Mariae Empfängnis, Mariae Namen zur Erinnerung an die Belagerung der Türken, Dankfeiern anläßlich zahlloser Eroberungen und Siege, das Hochamt zur Eröffnung des Landtags, Weihnachten, selbstverständlich die Patronatsfeste der 39 Altarheiligen und zahllose andere.

Der tägliche Bedarf an Gebrauchsmusik allein für den Betrieb am Dom war immens. Die Kantorei war ein straff durchorganisierter kirchenmusikalischer Dienstleistungsbetrieb. Dort lernte Haydn den knallharten Alltag kennen, in dem es überhaupt nicht um individuelle Kunstfertigkeit im Erfinden neuer Melodien ging. Die Werke sollten gattungsgerecht sein, dienten sie ja einem rituellen Zweck. Haydns mit Recht bewundertes sauberes handwerkliches Können erwarb er sich in seiner Zeit am Stephansdom.

Improvisieren war gefragt und zahlloses Variieren und Umarbeiten vorgefertigter Phrasen. Das durchschnittliche Alltagsprodukt wurde dem Wunsch des Auftraggebers gemäß nach vorgegebenen Mustern zurechtgeschnitten und dem Aufführungsort angepaßt. Kein Wunder, dass sich Komponisten selbst als Handwerker bezeichneten und zugaben, sie hätten sich „marode melodiert“.

Vor diesem Hintergrund läßt sich ermessen, welche Auswirkung Haydns Einfallsreichtum haben wird, denn schon in seiner Wiener Zeit setzt er sich von der schematischen Arbeitsweise seiner Kollegen ab. Doch davon später.

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