® Händel, ein Markenzeichen

„Händel in Hannover” – das klingt nicht sonderlich spektakulär, nach so klangvollen Stationen wie Venedig, Florenz, Neapel und Rom.

Dem jungen Komponisten scheint auch nicht viel daran gelegen zu sein, sein Dasein als Kapellmeister des Kurfürsten von Hannover, Georg I. Ludwig, zu verbringen. Daher macht er sich bei der Aushandlung seines Vertrages zur Bedingung, nicht ständig anwesend sein zu müssen, sondern weiterhin reisen zu dürfen, denn „seine Neubegierde war noch nicht gesättiget, so lange noch ein musikalischer Hof zu finden war, den er nicht gesehen hatte.” (Mainwaring, Biograph Händels) Dass sein Dienstherr ein paar Jahre später König von England sein würde, können beide zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Bereits wenige Wochen nach seinem Amtsantritt verläßt Händel Hannover und macht sich auf nach London. Er wird dort „bald bey Hofe eingeführet, und von der Königin mit Gnadenzeichen beehret.” (Mainwaring)

Was Händel dazu bewogen hatte, ausgerechnet nach London zu gehen, läßt sich nur vermuten: London hatte keinen Corelli oder Vivaldi wie Italien, keinen Rameau wie Frankreich, keinen Telemann wie Deutschland. Nicht einmal ein Opernhaus, in dem sich die so genannte bessere Gesellschaft hätte treffen und an Ereignissen teilnehmen können, die buchstäblich in aller Munde sind. Auch wenn es die meisten Londoner für blanken Unsinn hielten, sich unverständliches Getrillere auf italienisch anzuhören, gab einen enormen Bedarf an Musik. Doch die besten Sänger kam eben aus Italien.

Die Begeisterung der englischen Königin Anne an dem deutschen Komponisten ist groß und „viele bezeugten grosse Ungeldult, eine Oper von seiner Arbeit zu sehen. Dieser heftigen Begierde nun genüge zu leisten, kam Rinaldo an den Tag und war, als sein erstes Werk in England, in vierzehn Tagen fertig.” (Mainwaring)

Ein perfekter Einstand in einem neuen Land: Händel kann nun schalten und walten wie ihm beliebt, und zwar gerade, weil noch nichts etabliert und eingespielt ist. Hier stehen ihm, im Gegensatz zu jeder anderen Stadt Europas, alle Möglichkeiten offen: Unter seiner Leitung wird die Oper fester Bestandteil des Kulturlebens, verbindlich und grandios. Die „Marke” Händel nimmt ihren Anfang.

rinaldo

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