Dîner mit Barockmusik

Manchem Kunstkenner mißfällt es sehr, wenn er zu „Zander an Bärlauchschaum” auch noch Barockmusik serviert bekommt, und das am Ende gar life! Da verkomme doch jedweder Respekt vor großer Kunst: entweder essen oder zuhören. 

Georg Muffat (1653-1704) sah das ganz anders und schuf damit ein ganz neues Genre in der Musik.

Seine Vorfahren kamen aus Schottland und Frankreich. Er lebte im Elsaß, in Wien, Prag, Salzburg und schließlich in Passau. Er studierte in Ingolstadt, Paris und Rom. Das hört sich nach einem ganz modernen Lebenslauf an, von jemandem, der viel gelernt, gesehen und gehört hat. Und der weiß, dass es überall auf der Welt gute Musik gibt.

Er lernte bei Lully, von dem wir wissen, welche Bedeutung er am französischen Hof hatte und bei Corelli, der in Rom die Musikszene bestimmte.

Die Einflüsse dieser beiden stilistisch so unterschiedlichen Musiker nahm Muffat auf und verband sie in einer Zeit heftiger Ästhetikstreits zu einer ganz eigenen Schreibweise, die „nicht allein die muntere und aus dem Lullianischen Brunn geschöpfte Lieblichkeit in den Ballet-Arien, sondern auch etliche tiefsinnig außgesuchte Affecten der italiänischen Manier in sich hält.” (Muffat)

Das Neue daran ist, dass seine Konzerte „weder zum Kirchendienst, noch zum Dantzen taugen [sondern] zu Erquickung deß Gehörs Componirt worden und zur Unterhaltung bey herrlichsten Mahlzeiten am füglichsten können produciert werden.” Ein völlig neuer Gedanke in Zeiten allgemeiner Kriegswirren, in denen lustvolles Vergnügen „Eitelkeit” (vanitas mundi) und somit sündhaft war.

Dass er seine Musik nicht auf die leichte Schulter nahm, beweisen seine zahlreichen Spielanweisungen, die er seiner Sammlung „Florilegium“ voranstellte: „Erstens, daß man zur Reinigkeit die Saiten recht greiffe/ daß der Bogen auff ein gleichförmige Weiß von allen Spihlenden geführt werde/ daß man die Tact-Mensur inständig beachte…” Anweisungen, die heute wie damals Gültigkeit haben. 

Er stellte ganz bewußt seine Musik in den schweren Zeiten des ausgehenden 17. Jahrhunderts in den Dienst des Friedens: „da ich die Französische Art der Teutschen und Welschen [Art] einmenge, vielleicht derer Völker erwünschte Zusammen- stimmung, dem lieben Frieden etwas vorspiele.” 

Der Spanische Erbfolgekrieg wütete auch in Passau, die Stadt wurde monatelang besetzt. Der Kunstreiche Herr Georg Muffat starb an den Folgen der Entbehrungen, die die Belagerung mit sich führte.

Seine bild-2_06Musik erquickt uns heute noch – Viel Vergnügen dabei!

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