Le signorine del padre vivaldi

Verwahranstalten nannte man sie, die Häuser zur Unterbringung von Waisen. Auf italienisch hießen sie Conservatorio und die ersten von ihnen entstanden im Venedig des 17. Jahrhunderts. Bei aller Fürsorge sollten die Kinder den Stadtsäckel aber nicht allzu lange belasten. Priester brachten ihnen ein Instrument und Singen bei und bald  konnten sie Gottesdienste musikalisch gestalten. So wurde aus dem einstigen Waisenhaus in Laufe der Zeit das, was wir heute unter Konservatorium verstehen: ein Ausbildungsort für Musiker.

Aber zurück nach Venedig um 1730. Die Waisenhäuser für Mädchen standen in dem Ruf, die beste Musik der Stadt zu produzieren. Darüberhinaus entzückte der Anblick der Kinder die männlichen Besucher der Stadt. Ein Zeitgenosse geriet ins Schwärmen: „Ich schwöre, es gibt keinen ergötzlicheren Anblick, als so eine junge, hübsche Nonne, die im weißen Kleid und ein Granatblütensträußchen über dem Ohr ihr Orchester anführt und mit unübertrefflicher Anmut und richtigem Gefühl den Takt schlägt. Wie rein sie die Töne treffen, ist einfach himmlisch.” (Charles de Brosses, 1739)

Der berühmteste Lehrer am Waisenhaus „Ospedale della Pietà” war Antonio Vivaldi (1678-1741). Vivaldi, wegen seiner Haarfarbe auch „Prete Rosso”, roter Priester genannt, unterrichtete Streichinstrumente. Den größten Teil seiner Solokonzerte und Sonaten schrieb er für seine Schülerinnen, die Signorine del padre Vivaldi. Die bekanntesten sind die vier Violinkonzerte, die den Jahrezeitenzyklus musikalisch abbilden, Le Quattro Stagione.

Da diese Stücke heute omnipräsent sind und in Aufzügen wie Restaurants gleichermaßen gedudelt werden, haben sie das heutige Bild von Vivaldi extrem verkürzt. Wer weiß heute schon, wieviel dieser Mann hervorbrachte? Das Verzeichnis der Sonaten und Concerti umfaßt alleine 780 Titel, nicht gezählt seine Vokalwerke, Kirchenmusiken und seine – darüber streiten die Gelehrten noch: mindestens 50 womöglich 94 Opern!

Vivaldi verhalf dem Solokonzert zu einer markttauglichen, griffigen Form. Drei Sätze hatte es: schnell-langsam-schnell, die beiden schnellen in der sog. Ritornell-Form. Dabei eröffnet das Orchester (Tutti) mit den musikalischen Hauptmotiven, das Soloinstrument antwortet auf eingene Weise. Die Einwürfe des Tutti spielen immer mit dem selben motivischen Material, während dem Soloinstrument Freiheit gelassen wird. Vivaldi wurde durch sein Geigenspiel zur lebenden Legende: „…spielte der vivaldi eine phantasie, die mich recht erschrecket, denn dergleichen ohnmöglich so jemahls ist gespiehlet worden noch kann gespiehlet werden, denn er kahm mit den Fingern nur einen strohhalm breit an den steg daß der bogen keinen plaz hatte, und das auf allen 4 saiten und einer geschwindigkeit die unglaublich ist…” (nach: Karl Heller, Vivaldi)

So berühmt er  war, so schnell wurde er vergessen. Erst 100 Jahre nach seinem Tod wurde Vivaldi wieder erwähnt: Mendelssohn hatte herausgefunden, dass Stücke von Vivaldi als Vorlage für Bach’sche Solokonzerte gedient hatten… Wiederum 100 Jahre später wurde der Grundstein für die Collezione Vivaldi gelegt. Der Streit um die exakte Opernzahl dauert allerdings immer noch an, sagt die Leiterin der Sammlung, Susan Orlando: „Man kann nicht genau sagen, wie viele Werke es gibt. Wir finden ständig mehr.” 

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