Der Urvater der Oper

Wissen Sie, wer die Oper erfunden hat? Auch wenn historisch betrachtet Giulio Caccini dieser Titel zuerkannt wird, ist es doch erst Claudio Monteverdi, der in einem Atemzug mit diesem Genre der Musik genannt wird: Er schrieb die ersten wirklichen „Hits“ der Oper, die heute noch gespielt werden.

1590 trat er am Hofe des Herzogs von Mantua in Dienste. Das bot ihm nicht nur materielle Sicherheit, sondern auch ein ideales Experimentierfeld für seine Karriere. Er lernte dort die Musik benachbarter Höfe kennen und konnte auch seinen Horizont durch Tourneen des Hoforchesters nach Ungarn und Flandern beträchtlich erweitern.

Seine erste, heute noch erhaltene und gespielte Oper, die kurz nach 1600 entstand ist L’Orfeo. Die Geschichte des Orpheus, der seiner geliebten Euridike in den Hades folgte.

Wer glaubt, dass das Auftauchen des Helden erst in der Filmmusik von Winnetou angekündigt wird, irrt gewaltig: Bereits Monteverdi ordnete seinen Figuren bestimmte Instrumente und Melodien zu, so dass man sofort auch musikalisch wußte, um wen es sich in der nächsten Szene handeln würde.

Monteverdis Musik zeichnet sich durch klare Melodielinien aus, die den Text gut verständlich ließen. Diese neue Stilkonzeption wurde auch „seconda prattica“ genannt: In ihr stand die Darstellung der Leidenschaften im Vordergrund. Sie setzte sich damit von der „prima prattica“ eines Desprez, eines Willaert, oder di Lasso ab, Komponisten, denen es um die Kunstfertigkeit der Linienführung gegangen war. Sie hatten wir bereits in dem Artikel „Aus den Ohren – aus dem Sinn“ kennen gelernt.

In seiner Oper L’incoronazione di Poppea (Die Krönung der Poppea) legt Monteverdi seiner Heldin einen Klagegesang in den Mund, der an Gefühlstiefe, Trauer und Verzweiflung dem der Isolde Richard Wagners gleichgestellt wird.

Das hatte es bisher noch nicht gegeben, weder in Italien, noch sonstwo im Abendland. Aber Musik hat ja bekanntlich Flügel: die Gattung Oper verbreitete sich im Fluge und was der junge Purcell, der Orpheus britannicus, in London daraus machte, wissen wir ja bereits…

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