Der Kinski unter den Musikern

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Für die Rolle des Fitzcarraldo im gleichnamigen Film war ursprünglich Mick Jagger vorgesehen. Aus verschiedenen Gründen drohte das Projekt zu zu scheitern, als schließlich Klaus Kinski für die Rolle engagiert wurde, obwohl schon ein großer Teil des Films mit Jagger gedreht worden war. Den Wechsel begründete der Regisseur Werner Herzog  damit, dass man bei Jagger den Eindruck gehabt habe, er spiele die Rolle, während man bei Kinski tatsächlich in die Augen eines Verrückten geschaut habe.

In allen Bereichen gibt es Typen, die sich mit dem, was sie von sich geben, gerade noch am Rande des Menschenmöglichen aufhalten.

Unter den Musikern war einer davon Carlo Gesualdo, Fürst von Venosa. Er lebte in der Zeit um 1600 in Italien, derselben Zeit, in der Stefano Landi, den wir letzte Woche kennen gelernt hatten, seine eingängigen Lieder schrieb. Welten liegen zwischen der Musik dieser beiden Männer.

Mit der Heirat zwischen Gesualdo und seiner Cousine Donna Maria nahm das Schicksal seinen Lauf. Der Onkel Gesualdos, ein nicht nur machtgeiler Kardinal, versuchte die junge Frau zu verführen, allein, sie hatte schon einen Liebhaber. Der tief beleidigte Kardinal hatte nichts Eiligeres zu tun, als den Ehebruch Gesualdo zu überbringen. Dieser plante darauf minuziös den Mord an seiner Frau und deren Liebhaber. Er tötete sie mit einer Unzahl von Messerstichen. Nicht genug von dem Mord stach er auch noch 28 mal in den leblosen Körper. Den gemeinsamen Sohn hielt er nun für das Kind seines Nebenbuhlers, das ebenfalls beseitigt werden mußte: Drei Tage quälte er es zu Tode, indem er es im Schloßhof auf einer Schaukel festgebunden schwingen ließ, unter den  Gesängen eines Madrigalchores.

Nach diesen Greueltaten war Gesualdos Musik nicht mehr dieselbe: Getrieben vom Wahn um Hölle und Vergebung erfand er visionäre Klänge, die in den nächsten 400 Jahren einmalig bleiben sollten. Erst Richard Wagner würde an die Klangwelt des Fürsten anknüpfen. Der Komponist Kirchner beschreibt dies so: „Gesualdo führt die Stimmen absolut gnadenlos durch, ohne Rücksicht darauf, welche Querstände (= chromatische Dissonanzen) dabei entstehen.“

Stimmen prallen aufeinander, bewegen sich abrupt voneinander, jede Wendung ist unerwartet, brüskierend, schroff. Neben Klängen grausamster Schärfe stehen Harmonien überirdischer Reinheit, als drücke er damit seine Sehnsucht nach Frieden und Vergebung aus. Das Ohr kann kaum einer Melodie in unserem Sinne folgen – ein Klang, kaum geformt, wird vom nächsten schon gejagt und verdrängt.

Vergeblich versuchte Gesualdo Ruhe zu finden, auch wenn er mehrere Tausend Messen für die Toten lesen ließ, um sich von seiner Schuld loszukaufen. Begleiten wir ihn eine Minute lang in:  bild-2_06Dunque a i dolori Io resto – Allein bleibe ich mit meinem Schmerz zurück.
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Der Regisseur Werner Herzog, stets fasziniert von extremen Charakteren, ist auch dem „Phänomen“ Gesualdo in einem Film nachgegangen.

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