Vom Mittelalter zur Neuzeit

Eine neue Zeit brach an, die heute durch Begriffe wie Humanismus und Renaissance gekennzeichnet wird. Der Geist der Wissenschaft, des Analysierens und Rationalisierens, neuer Staats- und Wirtschaftssysteme wehte durch das Abendland, die Erfindung des Buchdrucks, die Entdeckung AmerikasLuthers Reformation, die kopernikanischen Wende gehören hier her. 

Es war also viel los im „Alten Europa“. Und die Musik hatte Teil daran. 

Was war so neu an der Musik? Der Begriff Humanismus macht deutlich, dass eine Hinwendung zum Menschen stattfand. Die Musik, deren Kunstfertigkeit sich bis dahin an kosmologischen Gesetzmäßigkeiten orientiert hatte, deren Klänge sich in bestimmten Zahlenverhältnissen ausdrückten, wandelte sich. Maß der neuen Musik war nun der sinnlich Geschmack an Klängen. 

Musikalisch gesagt heißt das: die Vorherrschaft der Quint- und Oktavklänge wurde ergänzt durch Terz- und Sextklänge. Und die kamen aus England. In England waren die artifiziellen Klänge des Kontinents nie richtig heimisch geworden. In England hatte sich die „altmodische“ volkstümliche Musik, die ihre Mehrstimmigkeit in einfachen Terzparallelen ausdrückte, nie von der französischen oder italienischen Kunstfertigkeit beeinflussen lassen. 

Johannes Tinctoris, schreibt in seinem Liber de arte contrapuncti von 1477, dass es erst seit etwa vierzig Jahren Musik gebe, die von Könnern als  hörenswert beurteilt werde. Davor sei die Musik so ungereimt und so albern komponiert gewesen, (adeo incepte, adeo insulse composita), dass sie die Ohren viel mehr beleidige als ergötzt habe. 

Ort dieser Wandlung im Musikgeschmack war die Gegend des heutigen Belgiens und der Niederlande, weswegen die Stilrichtung auch als „franko-flämisch“ bezeichnet wird. 

Doch der Reihe nach:

Von 1400-1474 lebte Guillaume Dufay. Er griff die französischen und italienische Traditionen auf, vermischte sie mit dem „alten“ englischen Stil und schuf damit eine Musik, die in ihrer Melodik und Klanglichkeit eine ganz neue Richtung einschlug. Damit wurde die Tür zur Dreiklangsharmonik der Neuzeit geöffnet. 

Johannes Ockeghem, 1430-1497, gab seiner Melodik eine neue Ausdrucksdimension, die von der persönlichen Emotion geprägt war. 

Josquin Desprez, 1440-1521, ein Schüler Ockeghems, setzte dessen Stil fort. Seine Musik wird vor allem durch ihre sinnliche Schönheit und subjektive Ausdruckskraft geschätzt. 

Adrian Willaert, lebte von 1490-1562. Durch ihn, da er als Kapellmeister in San Marco in Venedig wirkte, wechselte die führende Rolle des musikalischen Schaffens nach Italien. Doch davon später.

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