Einmal nach China und zurück

Um 1200

Während im fernen China die Mongolen einfallen und den Grund für den Bau der Chinesischen Mauer liefern, läßt die Rauflust auf europäischem Boden auch nichts zu wünschen übrig: ein Kreuzzug jagt den nächsten, ein Eroberungsfeldzug den anderen. Doch Kriege bringen außer Schrecken und Verwüstung auch noch etwas anderes mit sich: Neuigkeiten. Die, die zurückkehren, bringen fremdartige Waren, Gebräuche und Ideen mit nach Hause, die in das bisherige Leben aufgenommen und verarbeitet werden. 

So ist es nicht verwunderlich, dass die französischen Troubadour- und Trouvères-Bewegungen auch im deutschsprachigen Raum ankommen und in Künstlern wie Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach und Hartmann von der Aue prominente Vertreter finden. Bald überliefert die Sage einen Sängerkrieg auf der Wartburg, der zwar historisch nicht als gesichert gilt, aber im 19. Jahrhundert durch die Oper „Tannhäuser“ Richard Wagners neue Verbreitung fand. 

1212 In Leipzig wird der Thomanerchor gegründet, der, allen Widrigkeiten der Geschichte zu Trotz, heute noch besteht.

1230   Die Carmina Burana, eine Sammlung von 315 Liedern fahrender Spielleute (Vaganten) in mittellateinischer Sprache entsteht, die ungebrochene Bekanntheit genießt. Liebeslieder, Trinklieder und Spottgesänge wechseln einander ab. Vor allem die Vertonung durch Carl Orff (1937) setzte einen erneuten Popularitätschub in Gang und der Anfangschor „O fortuna“ wird sogar zum weltweiten Hit. Von Ray Manzarek (1983), dem ehemalige Keyboarder der Rockgruppe Doors, bis hin zu Corvus Corax (2008), gibt es immer wieder namhafte Künstler, die ihre Version der „Carmina Burana“ herausgeben. 

um 1240 Ars Antiqua

Die Dreistimmigkeit wird zur Regel, wobei die einzelnen Stimmen durchaus verschiedensprachig singen können. So spiegelt sich neben der Kunstfertigkeit der Musiker auch das langsam erwachende Selbstbewußtsein, neben Latein, der unangefochtenen Sprache der klerikalen Bildungselite, die eigene Landessprache zu verwenden. Darin liegt zum ersten mal eine historische, direkt dokumentierte Kunstäußerung eines weltlichen Standes, des Rittertums, vor. 

um 1280 Durch die Mehrstimmigkeit der Musik wird eine immer präzisere Notenschrift erforderlich: in der Mensuralnotation werden nicht nur die Tonhöhen, sondern auch die Tonlängen angegeben. Sie werden Longa, Brevis und Semibrevis = Lange, Kurze und Halbkurze genannt. Die Notenschrift befreit die Musik von ihrer Flüchtigkeit und gibt ihr einen eigenständigen Platz im Kanon der Kunstwerke. Bauwerke, Statuen, Bilder sind einem viel längeren Zeitraum der Nachwelt erhalten, Musik hat nun, wie die Sprache, eine Schrift. 

1295  Während der venezianische Kaufmann Marco Polo aus Asien zurückkehrt und schiffeweise Neuigkeiten mitbringt, wird im fernen China pünktlich zur Jahrhundertwende das Schießpulver erfunden. 

Na denn: Prosit 1300!

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