Schaffen Rachegelüste Kunstwerke?

Bernd Oberhoff, ein Psychoanalytiker aus Münster, will den Schlüssel zu dem Werk des Genies Mozart gefunden haben:

Über Salzburg war bereits Dunkelheit hereingebrochen, als der Hochbegabte bei bester Gesundheit dem Geburtskanal entwich. »Abends um 8 Uhr ging die meinige mit einem Buben nieder«, meldete Vater Leopold Mozart im Januar 1756 erfreut. Doch dann lief einiges aus dem Ruder: Der Knabe musste mit einem Gebräu aus ausgekochter Gerste und Hafermehl am Leben gehalten werden; denn die Mutterbrust gab nicht genug Milch her. Verweigerte Anna Maria Mozart ihrem Jüngsten in der Folge womöglich gänzlich den beruhigenden Busen? Ließ die stadtbekannte Schöne den Säugling gar allzu oft unbeachtet im Kindbett krakeelen? Nach Deutung der Freudschen Psychoanalyse reagieren Kleinstkinder auf derlei Demütigungen mit schonungslosen Rachegelüsten. Kaum anders verhielt sich womöglich das winzige Wolferl, das seiner Mutter für die entsagte Zuneigung nach dem Leben getrachtet haben mag – und sich zeit seines kompositorischen Schaffens abmühte, »die durch seine sadistischen Impulse verletzte oder zerstörte Mutter in all ihrer Vollkommenheit wieder herzustellen«.

Offenbar habe der Meister der Tonschöpfung »einen direkten Draht« zu jener frühkindlichen Seelenpein gehabt, die bei weniger sensiblen Naturen weit unter der Oberfläche kokelt. Sein Werk, so die neuese Auslegung, trifft beim Hörer genau diesen Nerv. »Das ist ein wichtiger Grund, warum uns Mozart überhaupt so berührt«, behauptet der Seelenarzt.

DER SPIEGEL 30, 2008

Wenn es so einfach wäre, dass alle Kinder, die mit Haferbrei gefüttert wurden, zu Genies werden…

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