Egal oder legal?

Es ist ja so einfach: ein Mausklick genügt und man kann seine Lieblingsmusik herunterladen. Nicht immer legal, aber Hauptsache es ist einfach und geht schnell. Dieter Gorny, Vorstandschef des Bundesverbandes Musikindustrie, spricht von ca. 50.000 Strafanzeigen im vergangenen Jahr, die gegen illegale Raupkopierer ergingen. Durchschnittlich sind das etwa 137 Anzeigen pro Tag. 

Damit soll jetzt Schluß sein. Nicht mit den Raubkopien, sondern mit der Menge an Anzeigen. Nachsicht soll geübt werden mit den Millionen von Studenten, Rentnern, Hausfrauen und Schülern, die sich gelegentlich mit Musik oder Hörbüchern versorgen. Alexander Skipis vom Deutschen Buchhandel spricht von einer „Kapitulation des Rechtsstaates vor den Möglichkeiten des Internets”. Wer weniger als 200 Filme oder 3000 Musikstücke illegal heruntergeladen hat, soll in Zukunft unbehelligt bleiben. Das gebiete der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. 

„Damit werden private Raubkopien faktisch legalisiert” sagt Skipis. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum man jeden Ladendieb verfolgt, aber die Raubkopierer gewähren läßt”.

In Frankreich und Großbritannien hat man das Problem längst auf andere Weise gelöst: Dort haben die Internetanbieter mit der Film- und Musikwirtschaft eine Vereinbarung getroffen. Melden Letztere die IP (=Computer) Adresse eines Raubkopierers, schreibt der Internetanbieter seinen Kunden an – und warnt ihn. Bringt das nichts, wird die Geschwindigkeit des Internetzugangs für einige Wochen gedrosselt. Der Umfrage einer britischen Anwaltskanzlei zufolge würden 70% der Ermahnten sofort mit der Kopiererei aufhören. 

Hierzulande fürchten die Internetanbieter einen Imageschaden. Sie würden ja der Überbringer der schlechten Nachricht sein. Eine kurzsichtige Argumentation, denn Inhalte, die nicht dauerhaft verkaufbar sind, wird es auf lange Sicht nicht geben. Spätestens dann bekommen auch die Anbieter ein Problem, denn was sollen sie dann noch durch ihre Leitungen schicken?

 

Nach einem Artikel aus der FAZ vom 21. August 2008

Advertisements

0 Responses to “Egal oder legal?”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




Enter your email address to follow this blog and receive notifications of new posts by email.

Schließe dich 2 Followern an


%d Bloggern gefällt das: