Exotisch und fremd?

Fremde Kulturen können wir bestaunen, die Kunstfertigkeit ihrer Schöpfungen bewundern, aber wirklich verstehen können wir sie nicht. 

Vor einiger Zeit berichtete ein Freiburger Flötist, der mit seinem Ensemble in Japan ein Konzert mit europäischer Musik gab, von einem beeindruckenden Erlebnis: Um sich in einem großen Saal, der 2000 Zuhörer faßte, einzuspielen, probten die Musiker vormittags für mehrere Stunden, währenddessen ein japanischer Ikebana-Meister für den Blumenschmuck sorgte. Der Mann arrangierte einige kleine Blumenzweige auf der Bühne, lief zu verschiedenen Punkten des Raumes, um sie zu begutachten, kehrte zurück, um sie ein wenig zu drehen, bis er schließlich nach vielen Änderungen mit seinem Ergebnis zufrieden war. 

Die Musiker beendeten in der Zwischenzeit auch ihre Proben und man machte sich gegenseitig bekannt. Unser Flötist fragte nun den Japaner, was genau er sich aus dem Raum angeschaut habe, für ihn sei das Bild der Zweige jedes mal dasselbe gewesen. „Nein!” war die Antwort, „die Zweige hatten je nach Stellung doch ganz andere Proportionen im Raum bewirkt, manche seien sehr kunstvoll, andere dagegen gar nicht” wurden sie belehrt. „Aber,” fragt nun der Japaner zurück, „was habt ihr denn die ganze Zeit über geprobt? Ihr habe doch stundenlang dasselbe Stück gespielt, und für mich hat es jedes mal gleich geklungen.”

Um Musik (oder eine andere Kunstgattung) genießen und wertschätzen zu können, müssen wir mit ihren Parametern vertraut sein. 

Da sind zum einen die Tonhöhen, die nicht in allen Kulturen gleich sind und die uns sofort signalisieren, musikalisch zu Hause zu sein.

Der Rhythmus, der die zeitliche Abfolge von Tönen definiert, hat in verschiedenen Kulturen völlig unterschiedliche Funktionen. Alles, was ein Instrument nacheinander spielt, und als Melodie bezeichnet wird, folgt bestimmten Regeln genauso wie alles, was mehrere Instrumente gleichzeitig spielen und was als Harmonik bezeichnet wird.

Alle diese Elemente nehmen wir vom Mutterleib an auf und lernen sie völlig unbewußt, so das wir selbst beim Anhören eines neuen Stückes ein so großes Maß an Vertrautheit empfinden, dass wir oftmals das Gefühl haben „vorneweg hören” zu können. Und was wir kennen, finden wir schön. So einfach ist das.

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