Wittgenstein, Paul. Einarmiger Pianist.

Die Gäste im Salon der Familie Wittgenstein lesen sich wie ein „Who is Who” der Kulturszene des späten 19. Jahrhunderts: der große Geiger Joseph Joachim vermittelt die Bekanntschaft zu Clara Schumann und Johannes Brahms, die Kritiker Eduard Hanslick und Max Kalbeck gehen genauso ein und aus, wie die Komponisten Gustav Mahler, Richard Strauss und der junge Arnold Schönberg. 

Der Hausherr Wittgenstein, Besitzer mehrerer Stahlwerke und angesehener Mäzen Wiens, spielte Geige, seine Frau war eine ausgezeichnete Pianistin. Ihr Spiel – so das Urteil der Zeitgenossen – soll sogar das Können ihres Sohns Paul, des späteren Konzertpianisten, in den Schatten gestellt haben. Der Musikgeschmack der Familie war allerdings eher konservativ, wie das vernichtende Urteil des späteren Philosophen Ludwig Wittgenstein über Mahler zeigt: „Denn ganz offenbar gehört doch eine Reihe sehr seltener Talente dazu, diese schlechte Musik zu machen.”

So gesehen, gehörte Bruder Paul eher zu den „Modernen”, er vergab immerhin Kompositionsaufträge an Strauss, Ravel oder Hindemith. Doch der Reihe nach. 

Paul, der Pianist, wurde im Sommer 1914 eingezogen. Eine Verwundung zwang zur Amputation des rechten Arms und so entschloss er sich bald zu einer Karriere als einarmiger Pianist. Weniges von Saint-Saens, Reger und Skrjabin lag zwar vor, auch begann er, selbst Transkriptionen zu schreiben. Vor allem aber vergab er Kompositionsaufträge an namhafte Komponisten: 

Und so entstanden die Klavierkonzerte für die linke Hand von Ravel, Prokofieff, Strauss, Korngold, Schmidt und Hindemith, Britten und Gershwin.

Wer sich kaum vorstellen kann, wie man mit zwei Händen Klavier spielen kann, der lasse sich hier ruhig einmal vormachen, was mit fünf Fingern alles möglich ist. 

 

 

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