Hauptsache lustig!

Ist leichte Unterhaltungsmusik ein Phänomen unserer Tage? Die schnell dahingeschriebene Melodie, die nichts will, als vergnügen, gibt es sie erst heute? Oder anders gefragt: war der Musikbetrieb früher kunstbeflissener?

Nehmen wir einmal einen berühmten Opernkomponisten, Gioacchino Rossini. Mit 21 Jahren, gerade einmal zwei Jahre im Geschäft, hatte er bereits 10 Opern geschrieben und war das, was wir heute einen Shootingstar nennen würden. Bei seinem venezianischen Operndebut kam ihm der Zufall zu Hilfe: Ein anderer Komponist war seiner Verpflichtung nicht nachgekommen und so wurde der junge Rossini gefragt einzuspringen. Da in aller Eile eine Oper geschrieben werden mußte, war nicht daran zu denken, ein richtiges Libretto zu schreiben. In nur 4 Wochen warf er buchstäblich die Oper Die Italienerin in Algier hin: damit das gelingen konnte, wurden die Rezitative und einige Arien von einem Mitarbeiter geschrieben, denn die Zeit drängte. Damit jede der Hauptfiguren ihre Arie und damit ihren großen Auftritt bekommen konnte, wurden schon einmal die Strukturen der Handlung verschoben, Arien und Duette gestrichen, damit die Primadonna umso wirkungsvoller in Szene gesetzt werden konnte. 

Als Rossini seine Italiana in Algeri schrieb, stand er in der Blüte seiner Jugend. Er wollte keine „starke” Musik schreiben. Er lebe in Venedig, der heitersten Gegend Italiens und die Venezianer wollten viel lieber angenehme als leidenschaftliche Gesänge. Mit der Italiana wurde dieser Wunsch bedient. „Sie hat Schwung, Brio, einen Zug, wie man es in der Opéra in unseren vernunftbetonten Klimata nie findet. In dieser Art musikalischem Taumel fanden sich Orchester wie Zuschauer gleich zu Beginn des ersten Aktes und so konnten sich alle auf mitreißende Weise vergnügen. Nichts ist an diesem Stück, was an die Wirklichkeit des Lebens erinnert. Der Gesang, die Dekorationen, das lebhafte Spiel des Orchesters, alles war dazu angetan, den Zuschauer über das alltägliche Dasein zu erheben und, sofern er gerne dazu bereit war, befand er sich bald in einer anderen, weitaus lustigeren Welt als der unserigen.” schrieb Stendhal 1817. 

Heile Welt, damals wie heute.

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