Wer viel sagt, hat nicht immer viel zu sagen.

Die Dresdner Philharmonie spielte am Wochenende die Sechste Sinfonie von Schostakowitsch, die Uraufführung eines Werkes von Lera Auerbach und das Klavierkonzert d-moll von Mozart mit ihr als Pianistin. Das Besondere daran war, dass auch die Kadenzen von ihr geschrieben waren. Damit führt sie die Tradition des 18. und 19. Jahrhunderts fort, in der die Kadenzen selbstverständlich die Momente eines Solokonzertes waren, an denen die Künstler zeigen konnten, was sie technisch und musikalisch „drauf” hatten.

Die Erwartungen waren hoch gesteckt: ein vielseitiges  Interview im Programmheft, spätestens die große Besetzung im Orchesterraum taten ein Übriges.

Dann erklang ihr Stück: „Dialogue with Time”. Man glaubte, irgendwann alles schon einmal gehört zu haben. Die Klangfarben der Blechbläser, die Harmonien und Rhythmen. Nun ist es an sich ja nichts Neues, dass auch die klügsten Köpfe sich von Vorbildern inspirieren ließen. Aber wirklich Besonderes läßt auch immer eine eigene Handschrift erkennen, die aber fehlte hier völlig. 

Im Klavierkonzert ging es konsumentenfreundlich zu: alles lief wunderbar glatt, die Läufe waren perlenschnur gerade, das Klavier nicht  zu laut, das Orchester auch nicht, die Kadenzen hatten jene winzigkleine Prise „Modernität”, die Mozart wohl zugemutet werden konnte. Alles so, wie man es sich für einen gelungenen Abend wünscht. Nicht besonders aufregend, dafür aber vertraut.

Mit Andris Nelson am Pult bot die Philharmonie den tatsächlichen Höhepunkt des Abends: Jeder Moment ließ den unbedingten Gestaltungswillen des jungen lettischen Dirigenten erkennen: mal kraftvoll und voller Verve, mal verhalten und flüsterzart, aber immer mit großer Eindringlichkeit und Intensität. Wunderbar homogene Holzbläser, allen voran die Flöte, spannten Bögen von großer Dichte. 

Auf den Schostakowisch angesprochen, meinte Auerbach kurz und treffend: „Das Leben ist hart, aber es hat seine wunderbaren Augenblicke.” Wie wahr!

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