Was ziehen Sie vor: Musik oder Wurstwaren?
Diese Frage stellt Erik Satie gute 100 Jahre, nachdem Haydn am Stephansdom zu Wien gelernt hat, aus jeder verwertbaren Note ein neues Stück für den nächsten liturgischen Bedarf zu schreiben. Gebrauchsmusik am laufenden Band. Satie selbst gibt die ironische Antwort, die für uns heute, weitere 100 Jahre später, immer noch gilt. Es hat sich nichts geändert: Irgendwo zwischen Rummelplatz und Parnass ist die Musik angesiedelt. Auf Festivals, im Heustadl, im Aufzug, als Klangdesign – Musik ist ein Massenprodukt. Und kann Bedürfnisse jeder Art befriedigen.
„Vielerorts ist die vortreffliche, sanfte Stille durch schlechte Musik ersetzt worden. Die große Masse liebt es, falsche, schöne Sachen zu vernehmen, dumme Refrains von vager Frömmigkeit; sie scheint die Klänge der Kontrabässe & anderer hässlicher Kinderflöten zu schätzen, ohne sich etwas dabei zu denken.
– Der Handel! werden Sie sagen.
– Das Geschäft! werden Sie wiederholen.
Was ziehen Sie vor: Musik oder Wurstwaren?
Spezialität Trauermärsche.
Bearbeitung von Requiems & Messen für Bälle.
Die Firma führt harmonische Verbesserungen aus.
Rasches Umarbeiten von Symphonien, etc. etc.
Ernste Musik wird heiter gemacht,
die schwierigsten Stücke für einen Finger umgeschrieben.
Keine unverständlichen Stücke mehr
Subtilität für jedermann.
Unsere Musik ist garantiert spielbar.

Ingenieur für Fälschungen/ Aller Art/ Besser als echt.
Unsere Hauskomponisten
verwenden nur alte, in langjährigem Gebrauch
erprobte Harmonien.
Ganz im heutigen Geschmack.
Spezialität: Umarbeitung von Musik.
Unser Geschäftsprinzip: aus Altem wird Neues.
Die Zustimmung der Autoren? Sie ist überflüssig!
Man käme nirgends hin, wenn man auf sie hören wollte.
Wir möchten eine Musik einführen, die die ,nützlichen‘ Bedürfnisse befriedigt. Die Kunst hat da nichts zu suchen. Die Musik, die ein Teil der Geräusche der Umgebung wäre. Ich denke sie mir wohlklingend; sie würde den Lärm der Messer und Gabeln mildern, sie würde das manchmal so drückende Schweigen zwischen den Gästen möblieren. Sie würde ihnen die üblichen Banalitäten ersparen. Gleichzeitig würde sie den Straßenlärm, der sich rücksichtslos ins Spiel drängt, neutralisieren.
Das hieße, ein Bedürfnis befriedigen.“
Erik Satie, Musique d’Ameublement
Nächste Woche sehen wir, wie sich Haydn aus seiner Tretmühle befreit hatte. Und was ihm da so alles einfällt.
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