1959 gab die Deutsche Bundespost Briefmarken mit dem Konterfei der 4 Jubilare Händel, Haydn, Mendelssohn und Spohr heraus. Den ältesten unter ihnen, Händel, haben wir schon kennen gelernt.

Lassen wir uns überraschen, was es von Haydn zu berichten gibt:

Franz Joseph Haydn, 1732 –1809
Am 31. März 1732 wird Joseph Haydn in Rohrau geboren, einem Flecken in Niederösterreich, der auch heute gerade mal 1500 Einwohner zählt. Stets legt er Wert darauf, mit dem richtigen Geburtsdatum aktenkundig zu werden, damit man nicht „sage, ich sei als Aprilnarr in die Welt getreten“.
Haydns Vater, ein Wagenmacher, singt gerne und begleitet sich auf der Harfe. Das hat das musikalische Talent seines Sohnes angeregt, der als Erwachsener berichtet: „dass alle Einwohner, wenn vom Singen die Rede war, einmütig des Wagners Sohn lobten“. Ein Zufall stellt die erste entscheidende Weiche für Haydns Lebensweg: Im Frühjahr 1738 ist der Chorregent Franck aus Hainburg Gast bei den Haydns und hört den kleinen Joseph. Franck, dem in den Augen der Eltern Weitgereisten, vertrauen die Haydns die Erziehung ihres sechsjährigen Sohnes an. Auch wenn Haydn später zugibt, dass er „mehr Prügel als zu essen“ bekam, ist zeitlebens dafür dankbar, Unterricht in Gesang und fast allen Blas- und Streichinstrumenten erhalten zu haben.
1740 fällt die zweite Entscheidung in Haydns Leben: Der Domkapellmeister zu Stankt Stephan in Wien, Reutter, ist auf der Suche nach neuen Kapellknaben. „Im 7ten Jahr meines alters hörete der Herr Capell Meister v Reutter in einer durchreise durch Hainburg von ungefhär meine schwache doch angenehme stime. Er nahme mich allsogleich zu sich in das Capell Hauß, allwo ich nebst dem Studiren die singkunst, das Clavier, und die Violin von sehr guten Meistern erlehrnete, ich sang allda sowohl bey St:Stephan als bey Hofe mit grossem beyfall bis in das 18te Jahr meines alters den Sopran“.
Zur Domkapelle gehören Instrumentalisten und Chorsänger. Öfters musiziert man mit der Hofkapelle gemeinsam Kirchen-, Kammer- und Tafelmusik am Hof. Das bietet nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern ermöglicht den Knaben, sich ab und zu satt zu essen, denn, wie Albert Christoph Dies, ein früher Biograph Haydns, berichtet, „mußte sich Josephs Magen an immerwährendes Fasten gewöhnen“. Freizeit gestattet sich der Junge kaum, „wenn meine Kameraden spielten, nahm ich mein Clavier untern Arm und ging damit auf den Boden, um ungestörter üben zu können.“
Der Stimmbruch bedeutet das Ende eines jeden Chorknaben. 1749 findet sich Joseph Haydn mittellos, „mit drey schlechten Hemden und einem abgnützten Rock ausstaffiert“ auf den Straßen Wiens wieder.
Zunächst kommt er bei einem Choristen unter, der mit Frau und Neugeborenem in einem Mansardenzimmer wohnt. Als Gelegenheitsarbeiter hält sich der junge Haydn durch Musizieren, Kopieren, Arrangieren und Aufspielen zum Tanz über Wasser. Aber er muß sich „ganzer 8 Jahr kummerhaft herumschleppen“. „Durch dieses Elende Brod gehen viele Genie zu Grund, da ihnen die Zeit zum Studieren mangelt. Die Erfahrung traffe mich leider selbst, ich würde das wenige nie erworben habe, wann ich meinen Compositions Eyfer nicht in der Nacht fortgesetzt hätte“.
Wegen seines abgerissenen Rocks darf Haydn bei einer Pilgerfahrt nicht mitsingen. Doch er schleicht sich in den Chor, nimmt einem Sänger die Noten weg und singt unerwartet schön. Man entschuldigt sich, lädt ihn zur Tafel, an der er sich eine Woche lang satt essen darf und veranstaltet eine Kollekte für ihn. Zurück in Wien hilft ihm ein Wiener Kaufmann mit einem unverzinslichen Darlehen von 150fl (Gulden) aus. Die Zeiten der Not sind vorbei.
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